Jedediah Purdy

Das Elend der Ironie

Cover: Das Elend der Ironie
Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2002
ISBN 9783434505389
Gebunden, 213 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Holger Fliessbach. Immer cool, kritisch und leicht distanziert: so lautet das moralische Vermächtnis der Großen Dekonstruktion - eine intellektuelle Trümmerlandschaft, in der eine ganze Generation herumirrt. Gänzlich frei, mit allen Wassern gewaschen, stilbewußt - und unglücklich. Dann kam der Absturz. Jedediah Purdy sondiert die Optionen der Veränderung. Was brauchen wir, um uns wohl zu fühlen? Was kann Politik leisten? Ohne sich nach Schicksal und Tiefe zu sehnen, plädiert er für die Rehabilitierung des Gemeinschaftlichen, für Unmittelbarkeit, Zuständigsein und das Vertrauen in die gestaltbare Welt des Politischen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.02.2003

Franziska Meier kanzelt diesen Essay gnadenlos ab und wettert, der amerikanische Autor entwürdige das kritische Instrument der Ironie zu einem "Synonym eines faden Zynismus". Schon die Beschreibung der Gegenwart als "ironisches Zeitalter", in dem statt politischem Engagement das Sich-Mokieren und -Distanzieren die herrschende Welthaltung sei, findet die Rezensentin nicht grad neu. Wenig kann sie den Aufrufen des Autors für mehr Verantwortung abgewinnen. Am meisten aber missfällt ihr das "Zurück zur Natur", das der Autor propagiere und von dem man heute wisse, dass auch diese Lebensweise mehr Fragen als Antworten biete. Gut gemeinte Ermahnungen hat Meier viele gefunden in diesem Band, Analysen dagegen hat sie vergeblich gesucht. Und so räumt sie zwar ein, dass Purdys Einsichten im Großen und Ganzen ja richtig sind, doch eben auch ziemlich "banal".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.01.2003

Mit seiner Generalattacke auf die ironische Kultur der USA, die den Rückzug aus der Öffentlichkeit zugunsten eines verantwortungslosen, allein individuell geführten Lebens fördere, habe sich Jeremiah Purdy aus dem Fenster gelegt. Und für Rezensentin Susanne Ostwald rettet es den 24-jährigen Philosphen, dem sie das Etikett "neokonservativ" anhaftet, auch nicht, dass die amerikanische Originalausgabe bereits vor drei Jahren veröffentlicht wurde - vor George W. Bushs Amtsantritt und vor den Anschlägen vom 11.September. Natürlich habe der auf das Unvorhersehbare folgende "patriotische Selbstvergewisserungstaumel" gezeigt, dass Ironie auch dazu diene, Exzesse der Leidenschaft und Selbstgerechtigkeit einzudämmen, wie selbst Purdy einräumen musste. Doch bereits vorher, meint Rezensentin Ostwald, ist Purdys Ironiekritik an der Wirklichkeit zerschellt. Auch wenn seine Thesen einige bittere Wahrheiten enthalten, sind sie wirklichkeitsfern, urteilt Ostwald leider etwas apodiktisch, Purdys theoretischer Idealismus der Gemeischaft verweigere sich einfach praktischer Anwendung und verkenne die gesellschaftliche Dynamik.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.09.2002

"Furios, naiv und voller interessanter Anregungen", findet Rezensent Paul Nolte Jedediah Purdys Streitschrift. Purdys Buch, in dem er eine Abkehr von der weit verbreiteten Haltung eines distanzierten, ironischen Egoismus und eine Rückkehr zu aktiven bürgerlichen Gemeinsinn fordert, ermöglicht nach Nolte nicht nur einen aufschlussreichen Einblick in das amerikanische Selbstverständnis "jenseits von Bush, Irak und 11. September". Es treffe auch den Nerv unserer eigenen Probleme - schließlich gibt es auch hierzulande wenig Bürgerengagement und stattdessen viel Politikverdrossenheit. Das Desinteresse an öffentlichen Dingen äußert sich für Purdy in einer weit verbreiteten Haltung der unverbindlichen Distanz, des "Nicht-so-ernst-Nehmens" der Dinge, erläutert Nolte. Darin sieht Purdy die Grundhaltung der Ironie, die er für unsere Unfähigkeit, uns noch unzweideutig für Ideen oder Projekte begeistern zu können, die aus moralischem Antrieb die Welt verbessern wollen, verantwortlich macht. Nolte kritisiert, dass Purdys Begeisterung bisweilen naiv wirkt, und seine Position in vielen zentralen Fragen diffus bleibt.

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