Über die vielfach unterschätzte Notwendigkeit von Bibliotheken im 21. Jahrhundert.
Die Benutzer strömen in Scharen in die Lesesäle und Gruppenarbeitsräume der wissenschaftlichen Bibliotheken. Dabei scheint ihre Aufgabe in Zeiten des Internets immer unklarer zu werden: Ist nicht das Wichtigste schon im Netz verfügbar? Welche Funktion hat die Bibliothek dann noch - ist sie ein Learning Center? Ein Logistikzentrum der Information? Ein sozialer Ort? Macht Teilen und Tauschen das Wesen der Bibliothek aus?
Dieses Buch handelt davon, dass wissenschaftliche Bibliotheken eine Hauptaufgabe haben, und zwar seit den ältesten Tagen von Ninive und Alexandria: Die Verantwortung für die Verfügbarkeit des Wissens. Ihr Zweck ist, Auskunft zu ermöglichen über den jeweils erreichten Stand der Erkenntnis. Die Idee der Bibliothek funktioniert nur noch im System der Bibliotheken. Doch in Deutschland sitzen die Bibliotheken mit ihren unerledigten Gemeinschaftsaufgaben in der Föderalismusfalle. Damit die Idee der Bibliothek zur Geltung kommen kann, braucht es eine beherzte Bibliothekspolitik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2018
Hannah Bethke scheint erleichtert. Laut Michael Knoche sind zumindest die wissenschaftlichen Bibliotheken nicht bedroht, eher herausgefordert von der Digitalisierung. Der ehemalige Leiter der Anna Amalia Bibliothek verbreitet Optimismus, wenn er nicht von einem Ersatz der Bücher durch das Internet spricht, sondern von Ergänzung. Die Vorstellung von der Bibliothek als "drittem Ort" im Sinne Ray Oldenburgs, sozial und kommunikativ, wie Knoche sie favorisiert, gefällt Bethke. So einen Denkraum zu schaffen und zu erhalten, das lehrt Bethke die Lektüre auch, wäre Aufgabe einer noch zu schaffenden nationalen Bibliothekspolitik.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.02.2018
Stephan Speicher rät dem künftigen Bildungsminister dringend zur Lektüre von Michael Knoches "kleinem, klugen" Buch über die Bibliothek der Zukunft. Dass der Autor vor allem die Probleme wissenschaftlicher Bibliotheken anspricht, scheint Speicher durchaus sinnvoll. Besonders seien die Schwierigkeiten dieser Institutionen im Umgang mit wissenschaftlichen Publikationen und Periodika, meint er. Das Bild, das der Autor zeichnet, scheint dem Rezensenten einigermaßen düster. Es mangelt an der Kooperation der Bibliotheken untereinander, an entsprechenden Mitteln und an der Klärung der Verantwortlichkeiten zwischen Bund und Ländern, lernt Speicher.
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