Michael Roes

Ich weiß nicht mehr die Nacht

Roman
Cover: Ich weiß nicht mehr die Nacht
Matthes und Seitz, Berlin 2007
ISBN 9783882217070
Gebunden, 226 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Stefanos wächst auf in einer deutschen Kleinstadt. Die banale Tristesse des Alltags versucht er durch ein Doppelleben zu durchbrechen: Tagsüber treibt er Sport mit einem philosophierenden Trainer in einer heruntergekommenen Turnhalle, die Nächte verbringt er als unnahbarer Barkeeper in einer Cocktailbar. Seine alternde Stiefmutter ekelt sich vor ihrem sich verändernden Körper und sehnt sich nach der Jugendlichkeit Stefanos. Ihr Sehnen wird zu Verlangen und ein tragisches Schicksal von antikem Ausmaß bahnt sich an.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.03.2008

Nicht ganz froh ist Rezensentin Dorothea Dieckmann mit Michael Roes' neuem Roman geworden. Nicht, dass dieser Versuch, antike Mythen in unsere Welt und unsere Zeiten zu übertragen, auf sie gar  keinen Reiz ausgeübt hätte. Besonders mit seiner vielschichtigen, gelegentlich an Pasolini angelehnten Erzählweise macht dieser "Poet des Fremden" immer wieder Eindruck auf sie. Insgesamt trägt Roes für ihren Geschmack dann aber doch reichlich dick auf, wedelt mit Tabus und Eros, ohne dass dies so recht dem Roman und seinem Thema weiterhelfe. Besonders bei den Charakterisierungen von Figuren und Konflikten vermisst die Rezensentin gerade jene Ambivalenz, die aus ihrer Sicht sonst das Potenzial eines jeden Mythos bildet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.02.2008

Nicht recht begeistern kann sich Helmut Böttiger für Michael Roes' neuen Roman "Ich weiß nicht mehr die Nacht". Das Buch scheint ihm ambitioniert, zu ambitioniert. Hohes und Niederes stoßen aufeinander, ohne dass das in seinen Augen wirklich funktionierte. Dem Autor gelingt seines Erachtens nur bedingt eine überzeugende Umsetzung seiner Idee, das klassische griechische Familiendrama in die Gegenwart einer spießigen Reihenhauswelt am Niederrhein zu versetzen. Böttiger konstatiert eine "inhaltliche Überinstrumentierung", die keine angemessene Form findet. Vieles wirkt auf ihn bemüht: der hohe expressionistische Ton, die Einbeziehung von griechischen und deutschen Mythen, das afrikanische Sehnsuchtsmotiv. Auf der anderen Seite hat er sprachliche Nachlässigkeiten zu monieren und Passagen, die "allzu plump ausgedacht und einfallslos" daherkommen.

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