Die Frage nach den politischen Dimensionen des Ästhetischen macht Signaturen der gegenwärtigen Moderne sichtbar, die deren einstiges Versprechen eines besseren, weil schöneren Lebens dementieren. Insbesondere die Unterwerfung tendenziell aller Lebensbereiche unter das Diktat von Ökonomie und Konsum vernichtet das Schöne in unserer Lebenswelt. Zunehmende Hässlichkeit ist das Gesicht einer Moderne, in der Freiheit und Verantwortung des einzelnen, seine Bildung und seine Religion, trotz gegenteiliger Bekundungen, nicht mehr zählen - Hybris der Moderne.
Aus Quellen des europäischen Geistes seit 2500 Jahren gespeist, steht ihr entgegen der Entwurf einer anderen Moderne. Der Weg zu dorthin führt über individuelle Bildung als umfassender Formungsprozess, der zentral auf dem Feld der Ästhetik stattfindet. Das "Ereignis des Schönen" verändert unser Bewusstsein und unsere Haltung in eine erneuerte Lebensform.
Das Buch nimmt in seinen historischen Fallstudien die Kritik an der Entwicklung der Moderne seit ihren Anfängen auf und entwirft Brückenschläge zur Vormoderne.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2018
Simon Strauss erkennt unschwer, dass es im Buch des Althistorikers Michael Stahl nicht um Erkenntnis geht, sondern um Behauptung. Die Quellen, die der Autor dafür auffährt (von den alten Griechen über Schiller bis zur Romantik), findet Strauss immerhin vielgestaltig. Anflüge von Sonntagspredigt und wohlfeiler Griesgrämigkeit muss er allerdings erst einmal schlucken, um den Text als anregende Provokation genießen zu können und angesichts des Umstands, dass Stahl beim Schönen nur an die Vormoderne denkt, das Buch nicht gleich aus der Hand zu legen.
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