Jan Schneider ist Historiker und Archivar. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in einem Dorf am Stadtrand. Jan hat etwas vor sich, von dem niemand etwas weiß: Er muss die Akten des Auswärtigen Amtes des Jahres 1991 bearbeiten - das Jahr, das sein Leben als Zehnjähriger von Grund auf verändert hat. Er kann plötzlich nicht mehr auf Geschichte blicken, ohne seine eigene darin zu sehen. Dann trifft der zögerliche Jan auf Enni van der Bilt, Notrufdisponentin einer Feuerwehr-Leitstelle. Enni ist das Gegenteil von Jan: Sie packt an, will Dinge verändern. Sein Zögern ist ihr fremd. Doch vom ersten Moment an haben die beiden eine Verbindung, ohne dass sie zunächst sagen können, worin diese besteht …
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2024
Der Rezensent Robin Passon bedauert, dass Michaela Maria Müller jeder wachsenden Reibung - die sich für den Kritiker zwischen den diametral entgegengesetzten Gefühlsleben ihrer Protagonisten ergeben hätte - ausweicht. Auch wenn Müller in ihrem Roman eine spannende Handlung entfaltet und ihre Charaktere, den zurückhaltenden Historiker Jan und die zupackende Feuerwehrfrau Enni, ernst nimmt, verpasst sie die Chance einer weitreichenderen Figurenentwicklung. Als Jan bei seiner Arbeit in Berliner Archiven das Jahr 1991 rekapituliert, wird er auch mit seiner eigenen, schmerzhaften Vergangenheit konfrontiert. Passon findet es gut, dass die Vergangenheitsbewältigung hier nicht in forcierte "Selbsttherapie" ausartet - gleichzeitig bleiben ihm Handlung und Figuren aber zu unkonkret, der Stil zu schwammig. Am Ende hat Passon daher den Eindruck, hier vorerst nur eine "durchschnittliche Geschichte" mit unzureichend entwickelten Figuren gelesen zu haben.
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