Im Ausland gilt die deutsche Erinnerungskultur als Erfolgsgeschichte und als Vorbild. Innerhalb des Landes jedoch ist sie immer öfter Gegenstand von Unbehagen und Unmut. Das neue Buch von Aleida Assmann reagiert auf diese kritischen Stimmen und nimmt sie zum Anlass, Vergangenheit und Zukunft der deutschen Erinnerungskultur neu zu überdenken. Denn je mehr Zeitzeugen sterben, je weiter die Deutungsmacht der 68er-Generation schwindet und je offener Deutschland sich als Einwanderungsgesellschaft begreift, desto mehr wird auch die etablierte Erinnerung an Verbrechen und Schuld der Deutschen auf einen Prüfstand gestellt. Aleida Assmann nimmt Stellung zu den hiesigen Debatten und richtet dabei auch den Blick auf andere Länder und deren Umgang mit der Vergangenheit - eine Intervention zur richtigen Zeit.
Rezensentin Alexandra Senfft bedankt sich bei der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann für diese, wie sie schreibt, inmitten des europäischen Entsolidarisierungsprozesses gerade recht kommende Intervention zum Thema Erinnerungskultur. "Nüchtern, streitbar und konstruktiv" ist sie ausgefallen, meint die Rezensentin, die sich allerdings vor allem damit befasst, die Eckpfeiler dieses Buchs thesenartig zu protokollieren. So erfahren wir, dass Assmann die zuletzt stark in Kritik geratene 68er-Generation als historischen Zwischenschritt auf dem Weg zu einer in den Familien spaltungsfreien Auseinandersetzung mit der Shoah in Schutz nimmt und dafür plädiert, die Gedenkgrenzen zwischen den europäischen Nationen in Europa - Nationalsozialismus hier, Stalinismus dort - dialogisch aufzulösen, um die europäische Integration voranzutreiben. Dass die Autorin dabei nicht auf die Relativierung der einzelnen historischen Verbrechen aus ist, rechnet Senfft ihr hoch an.
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