Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer. Sarah Tucker lebt in einem beschaulichen Vorort von Oxford, in der Rolle als Hausfrau gestrandet. Als jedoch nach einer Explosion in der Nachbarschaft ein Kind spurlos verschwindet, findet sie keine Ruhe mehr und holt sich Hilfe bei der Privatermittlerin Zoë Boehm. Gemeinsam bringen die beiden Frauen mehr Geheimnisse als Antworten ans Licht - Menschen, die lange für tot gehalten wurden, weilen unter den Lebenden, während sich immer mehr schnell zu den Toten gesellen. Vom ruhigen, abgründigen Pflaster Oxfords in ein Netz aus Verschwörungen von hochoffizieller Seite.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.01.2026
Der Krimi von Mick Herron wartet mit leichtem Spott, viel Tempo und überraschender politischer Schärfe auf, so Rezensentin Sylvia Staude. Zwar verspricht das Cover die beliebte Ermittlerin Zoë Boehm, doch die kultige Detektivin (in Großbritannien wurden die Romane bereits verfilmt) erscheint nur am Rand. Erst im Finale "zaubert" sie sich selbst hervor. Im Zentrum steht vielmehr Sarah Tucker, gelangweilte Bankersfrau, die nach einer rätselhaften Explosion in ihrer Nachbarschaft einer verschwundenen Frau mit Kind nachspürt und den Privatdetektiv Joseph Silvermann anheuert. Was als Nachbarschaftsdrama beginnt, kippt in eine düstere Geschichte über den Irakkrieg, Geheimdienst und Militär. Also über das, "was unter den Teppich gekehrt" wurde. Herrons bissige Dialoge, glaubwürdige Figuren und die Befreiung Sarahs aus ihrer Ehe machen den Roman trotz vieler Haken fesselnd, lobt die Kritikerin. Wer Boehm mag, darf auf drei weitere Bände hoffen, was Staude für vielversprechend hält.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 22.11.2025
Anders als in seinem Romanreihen- und Serienhit "Slow Horses" geht es in Mick Herrons nun nachträglich veröffentlichtem Frühwerk von 2003 sehr ironiefrei zu, stellt Rezensent Thomas Wörtche nicht unbedingt begeistert fest: sehr geradlinig und ernst werde darin der "systemkritische Polit-Thriller" der 70er und 80er Jahre "durchexerziert"; mitsamt infiltrierten Regierungen, tapferen Einzelkämpfern und "eisigen Bürokraten", die sich um einen Bombenanschlag in Oxford und ein dabei verschwundenes Kind herum sortieren, fasst Wörtche zusammen. Das sei alles schön und gut; interessant auch der Twist, dass die im Untertitel auftauchende Zoë Boehm, die in der schon geplanten Verfilmung immerhin von Emma Thompson gespielt werden soll, erst ganz am Schluss als Hauptfigur hervortritt. Davor geht es viel um eine gelangweilte Hausfrau, die - für den Kritiker nicht ganz nachvollziehbar - unbedingt herausfinden will, was es mit dem verschwundenen Kind auf sich hat. Wenn man über solcherlei "Plausibilitätsprobleme" aber hinwegsieht, überzeugt das Buch als unterhaltsames und dialogstarkes Genrestück, für Herron-Fans allemal, schließt Wörtche.
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