Tödliche Transparenz
Roman

Lenos Verlag, Basel 2025
ISBN
9783039250479
Gebunden, 249 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Anne Thomas. Frankreich im Jahr 2049. Der Fall Royer-Dumas bedeutet eine harte Bewährungsprobe für die ehemalige Polizistin Hélène und ihren Kollegen Nico: Der Schüler Milo und seine Eltern sind spurlos verschwunden. Ein unvorstellbares Ereignis in einer harmonischen Gesellschaft, die sich der absoluten Transparenz verschrieben hat. Zwanzig Jahre zuvor hatte ein Mehrheitsbeschluss in den sozialen Medien zu einer Revolution geführt. Städte wurden umgebaut, alle Hausmauern durch Glas ersetzt. Konsequent geschaffene Transparenz sollte Sicherheit und Schutz für alle garantieren und sämtliche Arten von Verbrechen und häuslicher Gewalt verhindern. Die gemeinsam gelebte soziale Kontrolle verfolgte das Ziel, für Glück und Wohlbefinden zu sorgen. Hélène und Nico lassen sich in ihren intensiven Bemühungen um Aufklärung des mysteriösen Verschwindens nicht beirren. Ihre Ermittlungen in Milos Schule und der wohlhabenden Nachbarschaft der Familie führen in die Abgründe der Beziehungswelt der Menschen. Die Brüchigkeit des brutalen gläsernen Paradieses wird entlarvt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.10.2025
Rezensentin Sylvia Staude freut sich über die ausgefeilte Erzählkunst, die die französische Schriftstellerin in dieser Thriller-Dystopie entfalten kann. Sie erzählt von einem Frankreich im Jahre 2049, das sich als völlig sicher und selbstreguliert versteht. Veränderte Städtebaugesetze ermutigen die Nutzung von Glasfassaden, Nachbarschaftspatrouillen übernehmen die Arbeit der Polizei, und Opfer unterschiedlichster Straftaten filmen sich dabei, wie sie rechtschaffen die Täter ermorden, resümiert die Kritikerin. Als eines Tages die Familie Royer-Dumas plötzlich aus dem sichersten Glashäuser-Sektor Paxton verschwindet, ermittelt die Sicherheitsbeauftragte Hélène Dubern. Staude sieht diese "Präsentierteller"-Welt als durchaus ambitioniert und überzeugend an, was nicht zuletzt an den gut gesetzten und zu Ende gedachten Details liegt. So nutzt die Autorin gekonnt ihre Hauptfigur, die alt genug ist, sich noch an eine Welt vor den gravierenden Änderungen erinnern zu können, um jene Details organisch in den Text einzuweben. Für Staude ist es die überzeugende Vorstellung einer allzu ausgeleuchteten Welt, in der sich niemand mehr in den Schutz einer dunklen Ecke zurückziehen kann.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 02.10.2025
Einen Kriminalfall, den es eigentlich gar nicht geben dürfte, behandelt dieses Buch laut Rezensentin Sonja Hartl. Denn in der Zukunftswelt, die die französische Krimiautorin Lilia Hassaine in ihrem neuen Werk entwirft, steht alles im Zeichen der totalen Transparenz, die Privatsphäre ist einer fast totalen sozialen Kontrolle unterworfen, die von einem unbarmherzigen Moralismus unterfüttert wir. Dennoch muss die Polizistin Hélène Dubern nun in einem mysteriösen Fall ermitteln, an dessen Beginn das in dieser Gesellschaftsordnung nicht mehr vorgesehene Verschwinden einer Familie steht. Der Rezensentin gefällt gut, wie das Szenario Hassaines geschickt die Balance hält zwischen Gegenwartsdiagnose - schließlich ist die Privatsphäre in unserer technologischen Gegenwart bereits akut gefährdet - und Zukunftsprognose. Auch die Krimihandlung überzeugt, freut sich eine zufriedene Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2025
Einen starken Kriminalroman legt Lilia Hassaine hier vor, findet Rezensent Hannes Hintermeier. Das Buch entwirft die Zukunftsvision einer Gesellschaft, die ganz im Zeichen der Transparenz steht - Transparenz im Sinne von sozialer Kontrolle, stellt Hintermeier klar, Privatsphäre gibt es nicht mehr, stattdessen geben Moralismus und ein striktes Achtsamkeits-Diktat den Ton an. Gewaltverbrechen soll es in dieser entlang von social-media-Bubbles strukturierten Welt gar nicht mehr geben, es verschwindet dann aber doch eine dreiköpfige Familie, die sogenannte Sicherheitsbeauftragte Hélène Dubern und ihr Kollege Nico stehen vor einem Rätsel. Das alles, freut sich Hintermeier, ist in einem sachlichen Tonfall geschrieben und hat einen guten drive, schön ist zum Beispiel, wie undurchsichtig die Hauptfigur bleibt, auch sonst wird das Geschehen immer rätselhafter. Insgesamt liest Hintermeier ein spannendes Buch, das einen faszinierenden Weltentwurf vorstellt.