Tábor ahnt, daß seine Arbeitshemmung mit dem Schweigen zu tun hat: in einer Familie von Holocaust-Überlebenden aufgewachsen, lernte er früh, daß man in Ungarn als Jude besser nicht auffiel. Jetzt, nach der Wende, im heißen Sommer 1992, scheint sich etwas anzukündigen. Die brutalisierte Stimmung auf den Straßen, die Auftritte der Faschisten Budapest steht kurz vor der Explosion. Oder nur er, der Stadtneurotiker, der "meschuggene Tábor"? An einem einzigen Tag durchstreift er die Donaumetropole wie einst Leopold Bloom das Dublin von Joyce.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 14.10.1999
Ursula März ist schlichtweg hingerissen von diesem Roman: Von seiner, wie sie schreibt, entfesselten Erzählerschaft, seiner anarchischen Gedankenführung, der explosiven Textur, der wilden Typographie. Vor allem aber hält sie ihn für ungemein komisch: "Bewundernswert ist Kornis` Kunst der gezielten Geschmacklosigkeit und der gewollten Banalität." Und das bei dem Thema! Sie hätte ja auch betroffen sein können über die Verzweiflung eines ungarischen Juden, der sich selbst und seinen Glauben inmitten der Gräber seiner ermordeten Vorfahren sucht. Wie März jedoch schreibt, muss man es aber zwischen Woddy Allen und Dante stellen. Den Ton trifft März selbst ganz gut. Überschrieben hat sie ihre Kritik mit der treffenden Zeile "Kornis lässt seinen Helden vom Hund auf Gott kommen".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.10.1999
Sehr zwiespältig beurteilt Ilma Rakusa diesen Roman. Beeindruckt, aber keineswegs begeistert äussert sie sich über Kornis` Maßlosigkeit, seine Larmoyanz, seinen Narzissmus und seinen Zorn, der sich in einer regelrechten Schreibwut Luft mache. Das Ergebnis findet sie im Verhältnis zum Aufwand jedoch eher dürftig: Charaktere und Geschichte bleiben ihrer Ansicht nach trotz beeindruckendem sprachlichen Einfallsreichtum konturenlos. Der Roman hinterlasse nur wenig Spuren im Gedächtnis.
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