Aus dem Englischen von Carl Weissner. Schwarz-Weiss-Comic. Will Eisner gilt als der Erfinder der Graphic Novel, des anspruchsvollen Comicromans. In drei umfangreichen Sammelbänden legt Carlsen nun seine wichtigsten Geschichten als "Will Eisner Bibliothek" vor. Herzstück des ersten Bandes ist "Ein Vertrag mit Gott", eine lose Kette literarischer Miniaturen, die in ihrer Gesamtheit ein Bild der Großstadt New York und ihrer Bewohner in den 1930er Jahren zeichnet. Bei Erscheinen 1978 brachen Eisners anspruchsvolle Comic-Erzählungen in Buchform mit sämtlichen damals gängigen Konventionen - heute gilt "Ein Vertrag mit Gott" als einer der Graphic-Novel-Klassiker schlechthin. Ergänzt wird dieses Meisterwerk durch die thematisch passenden Comic-Romane "A life force" und "Dropsie Avenue".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.07.2010
Für Ole Frahm steht dieser nun in einer Will-Eisner-Werkausgabe erschienene Comic am Beginn einer neuen Ära, als der Comic zu Literatur wurde. Natürlich ist es nicht nur das Format, das Frahm bei Eisner überzeugt. Superhelden und sprechenden Enten etwa begegnet er nicht. Stattdessen hält das Soziale Einzug, der jüdische Alltag in New York am Ende der Weltwirtschaftskrise in den 30ern insbesondere, wie Frahm präzisiert. In "Ein Vertrag mit Gott" erkennt Frahm eine Art Metacomic, der die Sublimation all des Verdrängten, der Armut, der Identitätskrisen, in den bis dato (i.e. Ende der 1970er) bekannten Superheldencomics thematisiert. Sogar ästhetisch kann Frahm das ablesen: Wie der Comic bei Eisner mittels Aufwertung des Einzelbildes eine neue Bewertung erfährt, einen neuen Realismus.
Mit dem die "Bibliothek Eisner" eröffnenden Comic-Sammelband, der neben "Ein Vertrag mit Gott" die Alben "Lebenskraft" und "Dropsie Avenue" enthält, betreibt der Carlsen Verlag in den Augen des dankbaren Sven Jachmann in ansprechender und angemessener Form "Klassikerpflege". Das bahnbrechende Werk des 1917 geborenen amerikanischen Comic-Zeichners war von Film Noir beeinflusst und setzte im Comic-Genre neue Maßstäbe, lässt der Rezensent wissen. Die im Mittelpunkt des Bandes stehenden Mietshausgeschichten des Albums "Ein Vertrag mit Gott" aus dem jüdisch-amerikanischen Milieu im New York der 1920 bis 1950er Jahre lehnen sich an die Novellenform an und schildern allesamt Menschen in existentieller Not, erklärt Jachmann. Ihn fasziniert enorm, wie Eisner mit wenigen Strichen das Leid und das Gefühl der Bedrohung zu inszenieren weiß und bewundert insbesondere die "Kongruenz aus Form und Inhalt", die sich in den Alben findet.
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