Aus dem Tschechischen von Beate Smandek und Eva Profousova. In Prag kommt es zu einer Serie mysteriöser Mordanschläge. Ein Mann baumelt bewusstlos im Glockenturm, an der Brücke von Nusle wird eine Frau erdrosselt aufgefunden, zwei Männer werden in der Nähe der St.-Stephans-Kirche getötet. Alle diese Attentate haben eines gemeinsam: Sie sind ausnahmslos in der mittelalterlichen Neustadt begangen worden, in unmittelbarer Nähe bedeutender gotischer Bauwerke. Kvetoslav Svach ist überrascht, als er von offizieller Seite mit der Aufklärung der Fälle betraut wird. Seine bisherige Karriere als Polizist verlief nicht gerade viel versprechend ...
"Schaueralarm" kündigt Tobias Gohlis in seiner Besprechung über den gruseligen Roman des jungen tschechischen Autors Miloc Urban an. Der hat nämlich, informiert der Rezensent, ein erklärtes Ziel vor Augen: Er will der klassischen Gothic Novel neues Leben einhauchen. Von dem deutschen Untertitel, Kriminalroman, dürfe man sich als Leser daher nicht irritieren lassen, denn die Geschichte ist für Gohlis mehr, Spannenderes, ein schauriges Stück über die Verschwörung einiger Architekten, die die Prager Neustadt in die Gotik zurückzuversetzen wollen. Dafür ist ihnen, referiert der Rezensent, jedes Mittel recht. Es wird gemordet, und zwar mit System, als groteskes Schauspiel, das abschrecken und bestrafen soll. Ihre "dämonische Begierde" kennt keine Grenzen, außer der des gescheiterten Geschichtsstudenten Kvfltoslav Svach, der zwar die Verachtung der Baumeister für die Architektur der letzten 600 Jahre teilt, aber deren Fanatismus ihm dann doch zu weit geht. Gohlis ist hingerissen. Der Roman erscheint ihm als "gruseligste schwarze Utopie", die der Autor effektvoll in Szene gesetzt habe.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.09.2001
Für Karl-Markus Gauss ist "Die Rache der Baumeister" kein klassischer Krimi, obwohl es von Morden darin nur so wimmelt, die kurioserweise zwischen etwas langatmige Ausführungen zur Prager Kirchenarchitektur und -geschichte gestreut zu sein scheinen. Für Gauss knüpft das in seiner Heimat sehr erfolgreiche Buch vielmehr an die Tradition des Schauerromans an, das in mittelalterlicher Kulisse und kriminalistischer Aufmachung Stadt- und Architekturgeschichte betreibt. Eine recht raffinierte Konstruktion, meint Gauss, die gelegentlich den Bogen etwas überspannt, da dem Autor offenbar eine Art "Millenniumsroman" mit gothic touch vorgeschwebt habe. Das Ende des Romans mit drohender und abgewendeter Apokalypse findet er jedenfalls reichlich "verschmockt". Eindeutiger Sympathieträger und literarisch am ergiebigsten sei aber der Ich-Erzähler, lobt der Rezensent, ein wunderlicher Kauz und Flaneur, der sich in die Prager Stadtgeschichte verliert.
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