Milton Rokeach

Die drei Christi aus Ypsilanti

Cover: Die drei Christi aus Ypsilanti
Matthes und Seitz, Berlin 2021
ISBN 9783957578402
Gebunden, 432 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem amerikanischen Englisch von Kevin Vennemann. Am 1. Juli 1959 bringt der Sozialpsychologe Milton Rokeach drei besondere Patienten ins Krankenhaus von Ypsilanti in Michigan: Clyde Benson, alkoholkranker Landwirt, Joseph Cassel, gescheiterter Schriftsteller mit Aggressionsproblemen, und Leon Gabor, Veteran des Zweiten Weltkriegs. Die drei Männer haben nicht viel gemeinsam - bis auf die nicht ganz unbedeutende Tatsache, dass sie sich alle für Jesus Christus halten. Zwei Jahre lang versucht Rokeach, sie von ihrem Irrglauben abzubringen, und hofft, dass sie irgendwann einsehen, dass sie sehr viel irdischer sind, als sie denken. Doch sie alle halten die jeweils anderen abwechselnd für Lügner, Maschinen oder gar für "Geisteskranke". Als vermeintliche Erfolge sich als lediglich vorgespielt herausstellen, greift Rokeach endgültig zu fragwürdigen Methoden. So schreibt er Leon Gabor etwa Briefe, in denen er sich als seine (eingebildete) Ehefrau ausgibt - bis dieser den Kontakt zu ihr abbricht. Rokeachs Aufzeichnungen aus dieser Zeit bilden ein anfangs noch unterhaltsames, dann jedoch immer erschreckenderes Zeugnis der institutionellen Behandlung psychischer Störungen, und stellen darüber hinaus nicht nur die Frage nach den Grenzen medizinischer Möglichkeiten, sondern auch nach denen der Menschlichkeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2021

Andreas Mayer empfiehlt die erstmals auf Deutsch vorliegende Dokumentation von Milton Rokeachs Versuch von 1959, mit basalen gruppentherapeutischen Mitteln Christi-Wahnvorstellungen dreier Schizophrenie-Patienten zu heilen, als ein glänzend geschriebenes, unschätzbares Zeugnis wissenschaftlicher Hybris. Rokeachs Hoffnung bestand wohl darin, dass die drei wieder zur Vernunft kommen würden, wenn er sie miteinander und ihrem parallelen Wahn konfrontierte. Das Experiment scheiterte. Die nachträgliche Selbstkritik des Sozialpsychologen überzeugt Mayer nicht. Bizarr nennt er das Experiment mit den drei Christi, das laut Rezensent nur die "Verhärtung" der Wahnvorstellungen zur Folge hatte.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 15.05.2021

Marianna Lieder empfiehlt das Protokoll zu Milton Rokeachs berühmtem psychologischen Gruppenexperiment mit den drei Psychotikern, die sich für Christus halten. Was längst zum Popkulturinventar gehört, liest sich für Lieder als Einblick in die psychiatrische Praxis Mitte des letzten Jahrhunderts in den USA dann doch erschreckend. Rokeachs genaue Protokolle der Sitzungen mit den drei Jesus scheinen Lieder so einfühlsam wie drastisch, zeigen sie doch vor allem eines: das Scheitern des Psychiaters.

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