Kjona Verlag, München 2026
ISBN
9783910372672 Gebunden, 336 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell. Mit einem Vorwort von Tara-Louise Witter. Hinter den Toren von Temple Alice bröckeln Reichtum und Würde der Familie St. Charles. Die 1920er-Jahre in Irland sind rau. Aroon - die zu große, zu laute Tochter des Hauses - sehnt sich nach Zugehörigkeit und Zuneigung. Doch ihre unterkühlte Mutter ist zu sehr abgelenkt von den Betrügereien ihres Gatten. Und als Aroon sich ausgerechnet in den charismatischen Richard verguckt, erfährt sie, dass der eine Affäre mit ihrem geliebten jüngeren Bruder Huberthat. Als Hubert bei einem Autounfall ums Leben kommt und ihre Eltern, anstatt zu trauern, das letzte Geld zum Fenster rauswerfen, plant Aroon ihre Rache.
Rezensentin Julia Schröder ist glücklich, dass dieser bereits in den Neunzigern erstmals auf Deutsch erschienene Roman der Irin Molly Keane in frischer Neuübersetzung durch Bettina Abarbanell vorliegt. Denn die Kritikerin hat viel Spaß mit diesem Portät des untergehenden anglo-irischen Landadels - und das, obwohl alle Figuren inklusive der dicken, berechnenden und doch Mitleid erregenden Ich-Erzählerin Aroon St. Charles äußerst unsympathisch sind. Vergnügt liest die Rezensentin von Jagdbällen, Alkohol und Affären der Gentlemen, eiserner Ignoranz der Ladys oder geheim gehaltener Homosexualität des Nachwuchses. Vor allem aber staunt Schröder, wie Keane, selbst in die Zeit zwischen dem Großen Krieg und der Großen Depression hineingeboren, zu beschreiben vermag, wie alle Gefühle und Regungen stets hinter dem "Dekorum" verborgen werden müssen. Wenn das "Ungesagte" hier also zum "moralischen Prinzip" wird und viel drumherumgeredet wird, ist der Leser selbst gefragt, will er sich manchen Vorgang erschließen, freut sich die Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 02.02.2026
Ein tolles Buch liegt nun in deutscher Übersetzung vor, freut sich Rezensentin Isabella Caldart, die nicht zuletzt die Arbeit der Übersetzerin Bettina Abarbanell lobt. Die Autorin ist Molly Keane, das Buch ursprünglich 1981 erschienen und es spielt im Irland des frühen 20. Jahrhunderts. Die Hauptfigur Aroon wächst mit ihren Brüdern weitgehend ohne elterliche Obhut auf und scheint wenig von dem, was um sie herum vorgeht, zu begreifen. Genauer gesagt, nimmt sie nicht wahr, was nicht zu ihren eigenen Vorstellungen über die Welt passt, und ähnlich scheinen auch andere Figuren im Buch drauf zu sein. Die Nonchalance, mit der sogar Morde wie nebenbei beschrieben werden, imponiert Caldart. Es geht darum, den Schein zu wahren, Verdrängung ist an der Tagesordnung, was nicht zuletzt immer wieder sehr witzige Effekte zeitigt. Eine schöne Wiederentdeckung, so der Tenor der Besprechung.
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