Aus dem Amerikanischen von Jasmin Humburg. Jiwons Leben ist in Aufruhr, nachdem ihr Vater die Familie verlassen hat. Als dann der unausstehliche neue weiße Freund ihrer Mutter auftaucht, der mit seinem mangelhaften Wissen über die koreanische Kultur prahlt und asiatischen Kellnerinnen in Restaurants hinterherglotzt, gerät Jiwons Gefühlswelt ins Wanken. Sie steigert sich immer mehr hinein in eine Obsession, die die strahlend blauen Augen ihres Stiefvaters betrifft. Jiwon fasst einen folgenschweren Entschluss: Sie muss ihre Familie retten … und gleichzeitig ihr Verlangen stillen.
Gut unterhalten fühlt sich Rezensentin Katharina Granzin von diesem Roman, der freilich nichts für schwache Mägen ist. Die Hauptfigur Ji-won entwickelt eine Obsession für blaue Augen, lesen wir, was zunächst mit den Fischaugen zu tun hat, die ihre Mutter, nachdem sie von ihrem Mann verlassen wurde, aus magischen Gründen isst, sich später aber verlagert auf die blauen Augen weißer Männer. Sexistische Diskriminierungserfahrungen spielen in diese Obsession hinein, erläutert Granzin, die einige weitere Handlungsdetails zusammenfasst und schließlich auf den Punkt zu sprechen kommt, an dem die vorher halbwegs realistische Geschichte in eine wilde Splatterfantasie kippt. Granzin kennt sowas aus koreanischen Filmen, hier wird es ihr, durchaus auch mit Sinn für Humor, in Form eines sich gut weglesen lassenden Unterhaltungsromans präsentiert. Nichts für schwache Nerven, aber durchaus originell, so das positive Fazit.
Es beginnt mit Fischaugen, erfahren wir von Rezensentin Justine Konradt. Doch die Protagonistin Ji-won wird im Laufe des Buches auf den Geschmack kommen auch andere Arten von Augen verspeisen, verrät die Kritikerin. Ji-wons zentraler Gegenspieler ist dabei George, der neue Freund ihrer Mutter, der ihr - und sie später ihm - das Leben zu Hölle macht, ist er doch ein ausgemachter Chauvinist, der, selbst blauäugig, außerdem asiatische Frauen fetischisiert. Wie sich Ji-won gegen den männlichen Blick zu Wehr setzt ist manchmal etwas arg forciert beschrieben in diesem Buch, findet Konradt, die an der Lektüre insgesamt jedoch viel Gefallen findet, auch, weil die Hauptfigur ambivalent und psychologisch feinfühlig beschrieben wird. Einen starken Horrorroman mit einigen karthatischen Wendungen ergibt das insgesamt, freut sich die Rezensentin.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Ben Lerner: Transkription Aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl. Er reist an die US-amerikanische Ostküste, um das letzte Interview mit seinem neunzigjährigen Mentor Thomas zu führen,… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…