Aus dem Französischen von Lena Müller. Was ist mit den Menschen, deren Flucht scheitert? - Belliqueuse Louissaint, genannt Belli, überlebt nur knapp den Versuch der illegalen Überfahrt von Haiti Richtung USA, verliert ihren kleinen Sohn jedoch ans Meer. Sie kehrt nach Port-au-Prince zurück und lässt sich in einer Siedlung namens "Rückkehr" nieder, ein Ort für all jene Unglücklichen, deren Auswanderungsversuch gescheitert ist.
Belli macht sich entschlossen daran, ihrer Familie in dem Elendsquartier ein Zuhause zu schaffen. Doch schließlich sieht sie sich gezwungen, ihre beiden Töchter zur Adoption freizugeben. Luciole verschwindet so nach Nordamerika, Bélial hingegen wird von ihrer neuen Mutter mit nach Frankreich genommen. Sie wird als junge Erwachsene nach Haiti zurückkehren und ihre Mutter suchen, doch diese ist längst in einem Exil der ganz anderen Art.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.01.2019
Rezensentin Marie Schmidt attestiert diesem Roman des in Port-au-Prince geborenen und in Paris lebenden Schriftstellers Nehemy Pierre-Dahomey etwas "irritierend Besonderes". Wie der Autor in einer Mischung aus Lakonie und unerwarteten Momenten eines magischen Realismus von der aus Haiti fliehenden Belliqueuse erzählt, die ihren zweijährigen Sohn ins Meer wirft, um selbst zu überleben, und statt in Florida, doch wieder in den Slums von Haiti landet, findet die Kritikerin bemerkenswert. Die Gegenüberstellung mit einer westlich-idealistischen Entwicklungshelferin verleiht dem Roman zudem eine "komische" Note, meint die eingenommene Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 15.01.2019
Haiti mag ein armes Land sein, aber seine reiche Literaturlandschaft hat es nie sprachlos werden lassen, stellt Marko Martin fest, der den Debütroman von Néhémy Pierre-Dahomey in die Traditionslinie von Jacques Roumain, Stéphen Alexis und René Depestre einordnet. Pierre-Dahomey zeichne alles andere als ein schmeichelhaftes Bild Haitis. Das Trinken, der Tanz und der Sex sind hier nicht Ausweis karibischer Lebenslust, sondern Ausdruck der Verzweiflung, betont Martin, ihre Freudlosigkeit könnte nicht größer sein. Die Geschichte um eine Frau, die ihre Töchter zur Adoption nach Frankreich gibt, um dies hinterher bitter zu bereuen, hat den Rezensenten berührt. Dass diesem Schicksal kein Happy End beschieden sein wird, versteht sich von selbst.
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