Neige Sinno

La Realidad

Ort der Frauen
Cover: La Realidad
dtv, München 2026
ISBN 9783423285247
Gebunden, 272 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Michaela Meßner. Zwei Frauen auf einem Roadtrip durch Mexiko: Die Ich-Erzählerin Neige und ihre spanische Freundin Marga, beide Anfang zwanzig, reisen als Backpackerinnen in Ledersandalen, auf der Suche nach einer besseren Welt. In Chiapas wollen sie in dem Ort La Realidad den legendären Subcomandante Marcos treffen und Kontakt zu den Zapatistinnen bekommen. Nach der Missbrauchs-Erfahrung, die sie in 'Trauriger Tiger' beschrieben hat, ist Neige Sinno nun auf der Suche nach einem neuen Selbstgefühl. Sie findet es bei den Zapatistinnen. Mexiko wird ihre Wahlheimat, dort gründet sie ihre eigene Familie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.06.2026

Ihren Durchbruch hatte Neige Sinno mit einem Roman, der von dem Missbrauch an ihr durch den Stiefvater erzählt, erinnert Rezensentin Susan Vahabzadeh. Und auch dieser Roman hat sich mit den Auswirkungen des Kolonialismus wieder ein schwieriges Thema vorgenommen, aber Sinno vermag auch aufgeheizte Gemüter herunterzukochen, versichert die Kritikerin. Die autobiografisch geprägte Erzählerin begibt sich auf eine Mexiko-Reise, ihre Gefährtin will den aufständischen Subcomandante Marcos und seine zaparistische Befreiungsbewegung kennenlernen, resümiert Vahabzadeh. Sprachlich tastet sich Sinno dabei behutsam heran an diese Bewegung, die die indigene Bevölkerung befreien will, macht sprachliche Sensibilitäten und Uneindeutigkeiten offenbar und setzt sich auch besonders anregend mit Antonin Artauds mystifizierenden, doch auch kolonial geprägten Mexiko-Berichten auseinander, lobt die Kritikerin. Hier wird das "Zaudern zur Kunstform", fährt sie fort: Marcos ist nicht recht zu greifen, vielleicht ein Pappkamerad, die vermeintliche Befreiung wuchert unterschwellig in unguten Gefilden weiter. Für Vahabzadeh macht dieses Spiel mit Erlebnissen des 21. Jahrhunderts, betrachtet durch die Lupe von Artauds Texten aus dem 20. die Brüche, die koloniale Gewalt in (Fremd-)Benennungen und Begriffen und die Unverfügbarkeit einer letztgültigen Wahrheit in der Sprache eindrucksvoll deutlich.

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