Aus dem Französischen von Lis Künzli . "Haben Sie Kinder?", wird der Vater gefragt. "Nein, ich habe zwei Mädchen", antwortet er. - Diese Szene ist eine der ersten Erinnerungen einer Frau, die um 1960 in gutbürgerlichen Verhältnissen in Rouen aufwächst. Was folgt, ist ein Leben, wie es exemplarisch scheint für ihre Generation: Laurence befreit sich aus der Enge des Elternhauses, erlebt sexuelle Freiheit, aber auch Gewalt, sie verliert einen Sohn bei der Geburt und bringt eine Tochter zur Welt. Und mit dieser Tochter, die sich allen Rollenzuschreibungen entzieht, öffnet sich etwas - auch für Laurence und ihr Leben als Frau. Aus dem Besonderen eines Frauenschicksals leitet dieser Roman ab, was im Allgemeinen folgt, nachdem es heißt: "Es ist ein Mädchen."
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 30.06.2022
Endlich wird Camille Laurens auch in Deutschland entdeckt, ruft Rainer Moritz beglückt im dlf Kultur. Ihr autofiktionaler Roman "Es ist ein Mädchen" ist dazu ein guter Anlass, findet er. Eine Frau blickt darin auf ihr Leben und ihr jüngeres "ich", dass sie mit "du" anspricht, lernen wir. Dieses "du" ist eine Quelle der Enttäuschung für ihren Vater, der einen Sohn wollte. In den 60er Jahren aufwachsend lernt das Mädchen schnell, dass sie immer nur zweite Wahl ist. Sexueller Missbrauch ist ebenso tabuisiert wie Menstruation oder Masturbation, erzählt Moritz. Das gibt es, aber man spricht nicht drüber. Ihrer Tochter soll es einmal besser gehen. Wie Laurens fiktionales mit realem Leben verflicht, hat den Rezensenten beeindruckt. Und auch wie es ihr gelingt, aus Debatten um Gender "Literatur zu machen".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.05.2022
Rezensentin Petra Pluwatsch gefällt, wie scharfsinnig Camille Laurens in ihrem autofiktionalen Buch vom Mädchen- und Frausein im Frankreich der sechziger Jahre und von weiblicher Selbstbestimmung erzählt. Während Laurence als Mädchen nicht mit Murmeln spielen darf, im Tanzunterricht beigebracht bekommt, dass die Jungen die Mädchen "aufzuwerten" haben, und später nach einem traumatischen Schwangerschaftsabbruch in der 68er-Zeit doch noch Mutter und Hausfrau wird, geht ihre Tochter Alice viel unabhängiger durchs Leben und lehrt ihre Mutter einiges über die Liebe und die Freiheit. Von diesem schönen Prozess und von der Bitterkeit, als Frau von Geburt an als "Flop" zu gelten, erzähle Laurens in ihrem Buch mit "Witz und scharfem Blick", lobt Pluwatsch.
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