Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Er kommt aus dem Büro, möchte nur eine Pause machen, auf einer Bank sein Sandwich essen und mit dem Blackberry spielen. Doch ihm ist keine Ruhe vergönnt. Der Angestellte wird gestört durch einen Fremden einen Seemann, der eine Geschichte zu erzählen hat... "Die Ballade von Seemann und Albatros" ist eine moderne Version der berühmten Ballade "The Rime of the Ancient Mariner" von S. T. Coleridge (1798) doch bei Nick Hayes führt die fantastische Schiffsreise in eine Umweltkatastrophe: Nachdem der Seemann achtlos einen Albatros abgeschossen hat, gerät das Schiff in den nordpazifischen Müllwirbel; rachsüchtig verwandelt sich das Meer in ein Konfetti aus Plastik, Schraubverschlüssen, Styropor und Nylonnetzen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2012
Andreas Platthaus trennt scharf zwischen Bild- und Textteil dieses Comics von Nick Hayes. So sehr ihm der Mut des Autors und Zeichners imponiert, ein so traditionsreiches Gedicht, wie Coleridges "Ballade vom alten Seemann" zu modernisieren und als Comic zu illustrieren, so wenig überzeugt ihn der Text in der deutschen Übersetzung. Laut Platthaus leidet die deutsche Version nämlich beträchtlich unter dem Diktat der Form, die ihm die originalen Panels auferlegen. Hayes' Umgang mit Seitenarchitektur und Dramaturgie der Bildfolge findet der Rezensent ja höchst geschickt, und auch als lässiger Nachdichter gefällt ihm der Autor. Im direkten Vergleich mit Coleridge (der mitabgedruckt zu bewundern ist) scheint es ihm im deutschen Text jedoch vor allem an einem zu mangeln: Rhythmus. Und den, findet Platthaus, kann nicht mal der Einfallsreichtum der Zeichnungen ersetzen. Es ist eben doch ein Gedicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.04.2012
Samuel Taylor Coleridges Ballade vom alten Seemann gehört zum literarischen Kulturerbe wie Schillers Bürgschaft, also findet es Christian Schlüter nur recht und billig, dass sich ihr Nick Hayes in einer sehr freien Comic-Adaption verschreibt. Es geht um einen alten Matrosen, der schwere Schuld auf sich geladen hat: Aus Übermut hat er genau jenen Albatros umgebracht, der sein Schiff zuvor aus der antarktischen Eiswüste herausgeführt hatte und der Besatzung seitdem als Glücksbringer galt. Hayes macht nun weniger einen Comic aus dem Gedicht, als dass er den Text illustriert, erklärt Schlüter, gibt der christlich Heilsgeschichte dabei jedoch eine ökologische Wendung. Schlüter liest das mit Interesse und lobt das Ergebnis vorsichtig als "reizvolles Experiment".
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