Katar bietet der Welt eine glänzende Kulisse aus Hochhäusern, internationalen Unternehmensbeteiligungen, kulturellen Events und einer Fußball-WM. Dahinter verbergen sich Öl- und Gasexporte, die durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine noch stärker nachgefragt sind, aber auch die Ausbeutung von Arbeitsmigranten und innere Spannungen. Das kundige Porträt von Nicolas Fromm bietet ungewöhnliche Einblicke in das kleine Land, das ganz groß rauskommen will. Katar, die sandige Halbinsel im Persischen Golf, ist international so aktiv und einflussreich wie kaum ein anderer Kleinstaat. Das absolutistisch regierte Emirat wurde - auch dank der Arbeitskraft unzähliger Gastarbeiter aus aller Welt - zum wichtigen Öl- und Gasexporteur und zum reichsten Land der Welt, jedenfalls gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf derjenigen Einwohner, die katarische Sttatsbürger sind. Das Land ist zudem die Heimat des Fernsehsenders Al-Jazeera, der trotz umstrittener Positionen weiterhin für informative Berichte aus der arabischen Welt bekannt ist.
Rezensent Jan Kuhlmann empfiehlt das Buch des Politikwissenschaftlers Nicolas Fromm für einen emotionsfreien, differenzierten Blick auf Katar. Fromms Porträt des Wüstenstaats, seine Einschätzungen zur Herrscherfamilie Al Thani, zur Öl- und Gasabhängigkeit, zur Behandlung der Menschenrechte und zu den Kontakten zu den Taliban sind laut Kuhlmann selbst geprägt von wüstenhafter Trockenheit. Differenziert, doch nicht unkritisch bei der Darstellung westlicher Vorurteile und der Fortschritte des Emirats in Sachen Mitbestimmung, stellt das Buch für Kuhlmann eine gelungene Arbeit und eine informative Lektüre dar.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.11.2022
Im Lichte der bald stattfindenden Fußball-WM hat sich Moritz Baumstieger mit unterschiedlichen Büchern zum Austragungsland Katar mit verschiedenen Schwerpunkten von Wirtschaft bis Sport befasst. Er fragt sich, ob bezüglich der Debatte um den Wüstenstaat und dieses Turnier nicht eine gewisse Doppelmoral herrschen könnte: Welche Missstände würden hier getadelt, die man anderswo ignoriere? Dafür zieht er zunächst den Politologen Nicolas Fromm heran. Fromm beherrsche die Fakten, die er in "Katar - Sand, Geld und Spiele" gut aufbereitet zusammenstelle, meint Baumstieger. Der Rezensent empfiehlt das Buch vor allem denen, die sich schnell einen Überblick verschaffen wollen - und die es nicht stört, dass Darstellungen zu den gesellschaftlich-historischen Verhältnissen dabei bisweilen "so trocken wie das örtliche Wüstenklima" gerieten.
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