Seit der Antike dienen Ameisen und ihre Formen des Zusammenlebens als Modell und Vergleich für den Menschen und seine soziale Organisation. Dabei ist das Bild der Ameisengesellschaft, in denen wir unsere Ordnungen spiegeln, äußerst flexibel und kann als Vorlage sowohl für republikanische wie monarchistische, libertäre oder totalitäre Vorstellungen einer Gemeinschaft verwendet werden. In seiner wissenshistorischen Studie verfolgt Niels Werber die wechselhafte Faszinationsgeschichte dieses Vergleichs und untersucht die Evidenzen und blinden Flecken, die er produziert. Was an Ameisen beobachtet wird, so der Befund, gibt Antworten auf soziologische oder anthropologische Probleme und stellt jenseits aller Disziplinen die Frage, was der Mensch ist und was die Gesellschaft, in der er lebt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.09.2013
Markus Wild spürt es Krabbeln in diesem Buch des Literaturwissenschaftlers Niels Werber. In der Tat, die Ameisen sind überall. Nicht zuletzt deshalb, meint Wild, weil der Autor sie überall sehen will. Um die anvisierten Übertragungen zwischen Ameisenkunde, Literatur und Soziologie und die Analogien bzw. Identitäten zwischen Ameise und Mensch und die ihnen zugrundeliegenden Imaginationen sichtbar zu machen, projiziert der Autor laut Wild schon mal die Schwarm-Forschung der 1980er Jahre zurück auf einen Sci-Fi-Roman von 1930. Bezüglich des großen Krabbelns bleibt für Wild die Frage nach dem Verhältnis von Geistes- und Naturwissenschaften offen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.09.2013
Auf die Analogie zwischen Ameisenstaat und menschlichem Körper ist der Autor laut Burkhard Müller nicht gekommen. Das ist allerdings der einzige Mangel, den Müller an diesem erhellenden Buch feststellen kann, das er sowohl dem Wissenschaftler als auch dem Laien ans Herz legt. Nämlich um zu erkennen, wer warum den Ameisenstaat in der Moderne als gesellschaftliches Modell bemüht, und dass Objektivität auch bei diesem Vergleich schwerlich zu haben ist. Niels Werbers zweigleisige Arbeitsweise, hier die Naturwissenschaft, dort die Geisteswissenschaft im Blick, findet Müller überzeugend und fruchtbar. Werbers Stil scheint ihm souverän und unterhaltsam zugleich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2013
Von wegen Vorbild Natur! Bei Niels Werber lernt Helmut Mayer, wie willkürlich hier Analogien konstruiert werden, etwa bei Ernst Jünger, Edward O. Wilson oder Olaf Stapledon. Dabei sprechen die Ameisen ja nie von sich. Genau, erkennt der vom Autor behutsam angeleitete Rezensent: Solche Spiegelungen und Naturalisierungen sind mindestens vorschnell, wenn nicht gar falsch. Werber erscheint Mayer hingegen gar nicht vorschnell, lieber vorsichtig mit Verdikten und darum oft eher richtig.
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