Nikolai Roskamm untersucht, wie "Dichte" in verschiedenen Disziplinen, sozialwissenschaftlichen Theorien und planerischen Leitbildern konstruiert und verwendet wird. Sein Grundlagentext macht Verbindungen zwischen stadtsoziologischen Ursprüngen, sozialpsychologischen Experimenten, klassischem Geodeterminismus, nationalsozialistischer Bevölkerungspolitik und städtebaulicher Planung deutlich und legt die Hintergründe und Auswirkungen dieser verschiedenen Positionen offen. Es entsteht ein kritischer und aufschlussreicher Text über die zentrale Kategorie in den Diskursen zu Stadt und Raum.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.10.2011
Rezensent Michael Mönninger erblickt in diesem Buch das Potenzial zur "Wiederentdeckung des Realen", nachdem die jüngeren Debatten zur Raumtheorie mehr und mehr an Selbstreferentialität gelitten hätten. Der Berliner Planungstheoretiker Nikolai Roskamm rekonstruiert hier die Wandlungen des Dichte-Begriffs, informiert der Rezensent. Denn die Zusammenballung von Menschen auf engem Raum sei von Soziologen, Historikern, Philosophen und Psychoanalytikern sowohl als zivilisatorische Errungenschaft wie auch als Schreckgespenst aufgefasst worden. Weiterhin werde die Geopolitik des Dritten Reiches thematisiert und der nach 1945 erfolgte "Maßstabswechsel" der Raumplaner von der Landkarte zum Stadtplan. Im Detail hat der Rezensent allerdings einiges auszusetzen. So würde Roskamm immer noch der mittlerweile widerlegten Auffassung anhängen, dass mit der Naziherrschaft ein "Modernitätsbruch" einhergegangen sei. An anderer Stelle wiederum hätte sich der Kritiker mehr Genauigkeit und auch, bezüglich gegenwärtiger Trends, mehr Mut zum Urteil gewünscht.
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