Der Orgelkünstler Albert Schweitzer konnte auch in seinem Leben verschiedene Register ziehen: Er war bedeutender Theologe, gütiger Urwalddoktor, Bestseller-Autor und Philosoph der Ehrfurcht vor dem Leben. Gerade in seiner Schlichtheit und Geradlinigkeit war der Friedensnobelpreisträger zudem ein Meister der Selbstinszenierung. Er verkehrte mit führenden Politikern und Denkern und war zugleich darauf bedacht, sich von den Großen und Mächtigen abzuheben. Er machte kein Aufheben um sein Äußeres und sah gerade darum aus "wie ein naher Verwandter des lieben Gottes" (Der Spiegel). Nils Ole Oermann beleuchtet auf der Grundlage bisher unbekannter Quellen das Leben Albert Schweitzers neu, etwa seine Schlüsselentscheidung, Mediziner zu werden, sein Verhältnis zu den Afrikanern oder seine politische Rolle in den fünfziger Jahren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.10.2009
Das Buch verortet Johann Hinrich Claussen als Teil einer Albert-Schweitzer-Medienoffensive, Kinofilm und TV-Doku inklusive. Wenn das alles nicht von Schweitzers Schriften ablenkt, die Claussen uns wärmstens empfiehlt, geht das für ihn in Ordnung. Warum Schweitzer gerade heute wieder interessant sein könnte, erklärt Claussen auch. Zum derzeitigen Moralgerede eher unscheinbarer Zeitgenossen, findet der Rezensent, bildet Schweitzer nämlich eine passable Gegengestalt, eine ethische Existenz mit einem staunenswert reichen Leben. Das funktioniert allerdings nur, wenn der Leser sich einen neuen Zugang jenseits der Anhimmelei erarbeitet. Für Claussen bietet Schweitzers Nietzsche-Prägung dazu den Schlüssel. Dass die Biografie von Nils Ole Oermann den intellektuellen Ansatz scheut und auch wichtige theologische Bezüge nicht herstellt, findet Claussen insofern schade. Dennoch gefällt ihm das Buch als solide recherchierte, flüssig geschriebene Erinnerung an den großen Umwerter aller Werte.
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