Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. 2014 und 2015 ist Nir Baram in die besetzten Gebiete des Westjordanlands gereist. Um sich selbst ein Bild von der Lage seines Landes zu machen, hat der preisgekrönte Schriftsteller aus Israel Flüchtlinge, Siedler, Juden, Palästinenser, Politiker und Aktivisten befragt. Baram spricht mit den unterschiedlichen Bewohnern entlang der Grenzen, und stets schlägt ihm eine scheinbar einfache Wahrheit entgegen: "Trennung führt immer zu einem Mangel an gegenseitigem Verständnis und der Dämonisierung des anderen." Seine Reportagen beweisen, dass es möglich ist, aufeinander zuzugehen und dass es einen Weg jenseits der Zwei-Staaten-Lösung geben muss.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2016
Rezensent Joseph Croitoru liest die ursprünglich für die israelische Zeitung "Haaretz" verfassten Reportagen über die Besetzung der Palästinensergebiete im Westjordanland von Nir Baram aus den Jahren 2014/15 mit großem Interesse. Nicht nur, weil derartige Texte selten sind, wie der Rezensent weiß, sondern auch, da der Raum, den der Autor den jüdischen Siedlern und dem angeblich guten Zusammenleben mit den Arabern in seinen Gedanken einräumt, viel über das Verhältnis von Mitte-Links orientierten Israelis zur Siedlungspolitik aussagt, wie Croitoru meint. Denn diesen, scheint der Rezensent zu glauben, gehe es mehr darum, ihre Vorurteile gegenüber den Siedlern zu hinterfragen als die Auswirkungen der Besatzungspolitik auf die Palästinenser zu analysieren. Dass im Buch auch gegenteilige Standpunkte zu vernehmen sind, etwa wenn der Autor einen palästinensischen Bauern sprechen lässt, belegt für den Rezensenten, wie naiv im Grunde Barams Vorstellung von einem friedlichen Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern unter israelischer Herrschaft ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.04.2016
Die Idee des jüdisch-israelischen Autors Nir Baram durchs Westjordanland zu reisen, um die Bewohner zu porträtieren und kennenzulernen, findet Rezensent Thorsten Schmitz eigentlich nicht schlecht. Mit der Umsetzung kann der Kritiker aber leider nur wenig anfangen, denn Baram liefert laut Schmitz nicht mehr als die üblichen Stereotype, etwa wenn er von jüdischen Siedlerfrauen erfährt, dass sie für nach Geschlechtern getrennten Unterricht sind oder PLO-Funktionäre das Rückkehrrecht fordern. Weniger flüchtige Gespräche mit Extremisten, dafür mehr Zeit für Beobachtungen hätten dem Buch gut getan, schließt der Kritiker, der auch mit der allzu "technischen" Übersetzung nicht zufrieden ist.
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