Die Welt ist in Aufruhr. Die Einheit des christlichen Glaubens ist dahin. Zwischen Reformation, Gegenreformation und Rebellion gegen die Jahrhunderte alte Obrigkeit verlaufen verwirrende Fronten. Ein neuer Glaube, die "Gemeinde Christi", lehrt, dass nur die Taufe im Erwachsenenalter gültig ist und dass die Menschen wie die ersten Christen wieder zur Gütergemeinschaft zurückfinden müssen. Die Täufer erhalten erstaunlichen Zulauf, und in Münster hat sich Johann Bockelson, genannt Jan van Leyden, gar zum König des Neuen Reiches gekrönt. Hier will er mit seinen Gefolgsleuten den zum Osterfest prophezeiten Untergang der Welt erwarten, den nur die im Sinne der neuen Bekehrten überleben werden. Am 17. Februar 1534 kommt es zur Belagerung Münsters. In den Stadtmauern regiert Jan van Leyden mit unumschränkter Macht und grausamer Hand. Nach alttestamentarischem Vorbild führt er die Vielweiberei wieder ein. In drei Kapiteln erzählt Norbert Johannimloh die Geschichten von dreien dieser Frauen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.02.2001
Thomas Köster schlägt Norbert Johannisloh mit seinen eigenen Waffen. "Sie erwartete vom Dichter, dass er sie eintauchen ließ in eine ganz andere Welt. Aber da die Wörter, die er gebrauchte, auch sonst im alltäglichen Sprechen benutzt wurden, konnte die Reise in eine andere Sphäre nie ganz gelingen", zitiert der Rezensent aus "Die zweite Judith". So ergeht es der Protagonistin Elisabeth Wantscherer. Und auch dem Leser, findet Köster. Leider. Statt einen dramatischen Bogen über das aufregendste Kapitel der Münsteraner Stadtgeschichte zu spannen, habe sich der Autor in sprachlich saloppen Schilderungen über sexuelle Begehrlichkeiten verloren. Der Rezensent hätte hingegen lieber mehr über die Wiedertäuferbewegung und den "Kleinstaat Gottes", den der Niederländer Jan van Leiden um 1534 in Münster errichtet hatte, erfahren. Hm.
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