Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.02.2004
Das Stillleben, weiß Valeska von Rosen, hat seit jeher einen Platz am unteren Ende der Bewertungsskala für Bildende Kunst inne, richtet es doch sein Interesse auf die scheinbar "trivialen Dinge des Lebens". Auch die theoretisch fundierte Kunstgeschichte konnte mit dem Genre zumeist recht wenig anfangen, da ein Stillleben keine narrative Struktur aufweist. Zum Glück, so die Rezensentin, gibt es Norman Brysons "höchst anregende" Studie, die Stillleben aus verschiedenen Epochen nach "konzeptuellen Bedingungen und Implikationen untersucht" und dabei dem alten Deutungsmuster der "unmittelbaren Nachahmung der Natur" neue Überlegungen entgegensetzt: Realismus sei für viele Künstler bloße "Rhetorik", so zitiert sie Bryson, die dazu diene, bestimmte Absichten zu verwirklichen, beispielsweise den "Gesichtssinn" des Betrachters anzuregen oder das Vertraute vor seinen Augen unvertraut werden zu lassen. Bestimmt hätte Rosen also die nun endlich, nach zehn Jahren, erschienene deutsche Übersetzung mit lautem Beifall begrüßt, wäre diese in ihren Augen nicht "leider gänzlich" verunglückt; der deutsche Text strapaziere "nicht nur das Sprachempfinden des Lesers", sondern sei aufgrund der sturen Wort-für-Wort-Übertragung "zum Teil schlicht unverständlich". Man greife also weiterhin zum englischen Original.
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