Aus dem Englischen von Martin Hielscher. Nuruddin Farahs Roman "Bruder Zwilling" ist der erste Band einer Triogie mit dem umfassenden Titel "Variationen über das Thema der afrikanischen Diktatur". Soyaan, ein junger Regierungsmitarbeiter im diktatorischen Regime Somalias in den 70er Jahren, stirbt plötzlich einen mysteriösen Tod. Sein Zwillingsbruder Loyaan ist an seiner Seite und hört seine letzten Worte. Die Millitärjunta benutzt Soyaans Tod, der wohl ein Mord war, um aus dem Rebellen einen braven Anhänger der Machthaber zu machen, missbraucht den Vater, dreht ihm auch die letzten Worte im Munde noch um, nimmt dem Toten und seiner Familie die Würde. Loyaan macht sich auf die Suche nach der Wahrheit über seinen Bruder und kommt selbst in äußerste Gefahr...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.2001
Alexandra M. Kedves macht keinen Hehl daraus, dass sie das ereignisreiche Leben des Autors für den wesentlich besseren Roman hält als das vorliegende Buch. Sie moniert einen "angestrengt poetischen Klang", und darüber hinaus scheint es sie für nicht sehr gelungen zu halten, dass der "afrikanische Pollux" immerzu von seinem "Daimon" belehrt wird, wofür sie zahlreiche Zitate anfügt. Passagen dieser Art hätten ihrer Ansicht nach den Rotstift des Lektors erfordert, der einen Teil dieser "metaphysischen Kraftmeiereien und poetischen Prassereien, die kleinkarierten Klischees und geblähten Belanglosigkeiten" aus dem Text gestrichen hätte. Dann hätte ihrer Ansicht nach durchaus ein "spannender und konziser" Roman dabei herauskommen können, der darüber hinaus ein interessantes Bild von den Sitten, der Diktatur und der Geschichte Somalias hätte bieten können.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2000
Der jetzt als "Bruder Zwilling" erschienene Roman von Naruddin Farah (englisch: Sweet and Sour Milk") stammt eigentlich aus dem Jahr 1979, verrät Angela Schader; er bildet den ersten Band einer Trilogie, die der somalische Autor im Exil in den Jahren 1979 bis 1983 verfasst hat. Farah habe diese Trilogie, in der er die Parallelität von patriarchalischen Strukturen und politischen Repressionsmechanismen behandle, nach dem Prinzip von These -Antithese - Synthese geschrieben, zitiert Schader den Autor aus einem Rundfunkgespräch. Der erste Band der Trilogie handelt von einer nicht zum Kompromiss bereiten revolutionären Zelle, die jedoch an inneren Meinungsverschiedenheiten zerbricht. Einer der ihren, erzählt Schader weiter, wird vom Regime ermordet und zum "Märtyrer der Revolution" ernannt - Farahs Kritik an der somalischen Militärdiktatur käme subtil und zynisch daher. Der Autor verteilt seine Kritik nicht auf gut und böse: bei ihm haben sich auch die Widerstandskämpfer nicht von der Übermacht der Vaterfiguren lösen können, lobt Schader die differenzierte Sichtweise des Autors, der uns noch mehr über die somalische Gesellschaft verrät: dass sich das Spitzelsystem auf geradezu perfide Weise der oralen Tradition des afrikanischen Kontinents bedient.
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