Der kommende Sturm
Der nächste große Krieg und wovor die Geschichte uns warnt

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2026
ISBN
9783608967159
Gebunden, 272 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Stehen wir vor einem dritten Weltkrieg? Die Weltordnung wankt: Immer mehr Großmächte ringen um Vorherrschaft - in Technologie, Handel und geopolitischen Zonen. Odd Arne Westad warnt vor den Gefahren eines neuen globalen Krieges von nie dagewesenem Ausmaß. Er schildert die Parallelen zwischen der heutigen multipolaren Welt und der Vorkriegszeit vor 1914. Er zeigt, warum wir neue Wege in Diplomatie, Abschreckung und Kompromissfähigkeit brauchen. Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie gibt wiederkehrende Muster preis. Um die Bedrohungen in dieser komplexen Welt zu verstehen, müssen wir auf die Lehren des frühen 20. Jahrhunderts blicken, das unserer Zeit auf unheimliche Weise ähnelt: Eine Zeit, in der Großmächte um regionale Dominanz rangen, Nationalismus, Populismus und Zollkriege auf dem Vormarsch waren. Westad argumentiert, dass unsere bisherigen Vorstellungen von internationaler Diplomatie nicht mehr greifen. Er plädiert für einen neuen Umgang mit Kompromissbereitschaft, nuklearer Abschreckung sowie diplomatischer Sprache und Praxis, bevor sich die alten Fehler wiederholen. Denn wer die Geschichte kennt, weiß: Der nächste Sturm kündigt sich leise an. Doch seine Wucht könnte alles übertreffen, was die Menschheit je erlebt hat.
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Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.04.2026
Rezensent Gustav Seibt war ein Fan von Odd Arne Westads Buch über den Kalten Krieg, mit diesem neuen Werk, das sich mit den Krisen der Gegenwart beschäftigt, kann er nicht gar so viel anfangen. Neu ist weder Westads Diagnose, dass wir es jetzt mit einer multipolaren Weltordnung zu tun haben, noch der Versuch, die aktuelle Situation mit der geopolitischen Lage vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu vergleichen. Die historische Analogie, die der Geschichtswissenschaftler hier sieht, wird im Buch laut Seibt tendenziell etwas zu kleinteilig ausformuliert: Was damals Deutschland war, ist heute China, die Bedrohung durch KI in der Gegenwart entspricht der durch die Eisenbahn in der damaligen Zeit und so weiter. So eine Betrachtung, meint Seibt, neigt dazu, Ähnlichkeiten über- und Unterschiede unterzubetonen. Freilich macht Westad, stellt Seibt klar, in diesem sorgfältig und nüchtern geschriebenen Buch durchaus hier und da relevante Punkte. Die Frage Westads, ob es auch in der Gegenwart möglich ist, dass geopolitische Kettenreaktionen, vielleicht ausgehend vom Brandherd Taiwan, zu einer globalen Katastrophe führen können, hält der Rezensent jedenfalls für ausgesprochen relevant. Gleichwohl bleibt das Fazit skeptisch: Das meiste, was Westad hier ausführt, hätte man sich auch so denken können, findet Seibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2026
Beunruhigend findet Rezensent Thomas Speckmann durchaus, was Odd Arne Westad hier über den Zustand der Welt beziehungsweise der internationalen Beziehungen schreibt. Der Historiker beschäftigt sich diesmal nicht vorrangig mit dem Kalten Krieg, dem er bereits ein viel beachtetes Buch gewidmet hat, vielmehr vergleicht er die gegenwärtige Weltlage mit der vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und findet viele Parallelen. Damals wie heute war die Welt geprägt von der Konkurrenz einer Reihe von Großmächten, die sich misstrauisch beäugten, außerdem von wachsendem Nationalismus und Ablehnung von Globalisierung, was sich auch in Handelskriegen niederschlug. Insbesondere das Misstrauen gegenüber anderen Ländern ist heutzutage sogar noch schlimmer als damals, meint Westad mit Bezug auf diesbezügliche Umfrageergebnisse. Auch hält er militärische Abschreckung zwar für notwendig, glaubt aber nicht daran, dass die Existenz von Atomarsenalen in der Zukunft automatisch großflächige Kriege verhindern wird, wie zu Zeiten des Kalten Kriegs. Was folgt aus dem? Keineswegs ein alarmistisches Buch ist das, stellt Speckmann klar, vielmehr plädiert der Autor dafür, Kompromisse zu schließen, wo dies möglich ist und Handelsbarrieren wieder abzubauen. Der Rezensent liest das alles mit Interesse und scheint seinerseits nach der Lektüre nicht unbedingt optimistischer in die Zukunft zu blicken.