In vielen Debatten werden spezifische Vorstellungen über die Geschichte, Kultur oder Werteordnung "Europas" für die Erklärung oder Legitimierung politischer Verhältnisse und Projekte herangezogen. Die vorliegende Studie prüft die Berechtigung solcher Konstruktionen, indem sie der Frage nachgeht, seit wann und warum überhaupt von "Europa" gesprochen wird. Die Analyse der historischen Semantik des Europabegriffs muss, um identitätspolitisch motivierte Anachronismen zu vermeiden, seine materiellen, kulturellen und diskursiven Konstitutionsbedingungen einbeziehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.06.2011
Angetan zeigt sich Johannes Willms von Olaf Asbachs begriffsgeschichtlicher Untersuchung über das Konzept "Europa". Er attestiert dem Politikwissenschaftler, den Mythos eines seit Jahrtausenden bestehenden Europas überzeugend zu zerstören, einen Mythos, der immer wieder herangezogen wird, um die Integration der Staaten der Europäischen Union auch historisch zu legitimieren. Der Autor macht für Willms deutlich, dass es in Antike und im Mittelalter keine Europaidee, kein europäisches Bewusstsein gab und dass sich die moderne Vorstellung Europas erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs auszubilden begann. Lobend erwähnt der Rezensent auch die bündige Darstellung und die exzellente Argumentation.
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