Herausgegeben von Robert Cohen. Die portugiesischsprachigen Briefe übersetzt von Niki Graça. Im Zentrum der sehr persönlichen Briefe der sich liebenden Widerstandskämpfer steht das in Haft geborene und dann weggenommene gemeinsame Kind. Die deutsche Jüdin und Komintern-Agentin Olga Benario wurde Ende 1936, nachdem sie in Brasilien an einem misslungenen Aufstand beteiligt gewesen war, hochschwanger an Nazideutschland ausgeliefert. In Gestapo-Haft in Berlin gebar sie kurz darauf ihre Tochter Anita, die ein Jahr bei ihr in der Zelle lebte, bevor sie in die Obhut der brasilianischen Großmutter gegeben wurde. Olga Benario gehörte später zu den ersten weiblichen Häftlingen im KZ Lichtenburg und in Ravensbrück. 1942 wurde sie in der NS-Tötungsanstalt Bernburg ermordet. Ihr Lebenspartner und der Vater ihres Kindes, der brasilianische Offizier Luiz Carlos Prestes, verbrachte die Jahre 1936 bis 1945 in Rio de Janeiro in Isolationshaft. Er war Anführer des Aufstandes gegen die Regierung Vargas und seit Mitte der 1920er Jahre als "Ritter der Hoffnung" bekannt. Der Briefwechsel der beiden Gefangenen konnte unter den größten Schwierigkeiten der Distanz, der Sprache und der Zensur selbst noch während Olga Benarios Inhaftierung im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück aufrechterhalten werden. Im Zentrum der Briefe steht das Schicksal des kleinen Mädchens.
Herzzerreißend sei dieser Briefwechsel, versichert taz-Rezensent Detlev Claussen, der ein Kenner der Geschichte des Kommunismus ist. Düster waren die Zeiten als der brasiliniasche Kommunistenführer Luiz Carlos Prestes und die kommunistische Agentin Olga Benario zusammenlebten - noch düsterer als sie beide auseinander gerissen wurdeb, in Gefängnissen und Lagern labten und sich über alle Mauern hinweg noch diese Briefe schicken konnten. Olga Benario, später eine Heiligenikone der DDR - wurde 1942 von den Nazis ermordet.
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