Nach seinem Bestseller und einer dreijährigen Tour erleidet Polak einen Totalzusammenbruch. Diagnose: schwere Depression. Einzige Rettung: zwei Monate Psychiatrie. Über diese Zeit und seine Herkunft, über Hoffnung und Heimat hat der Comedian jetzt ein Buch geschrieben - herausgekommen ist ein Gewaltmarsch durch sein Unbewusstes, ein Frontbericht zwischen Backstageraum und Wartezimmer. Ein Roadtrip to hell von jemandem, der den Himmel sah. In einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen ihren Ängsten und Burn-outs stellen, nimmt uns Polak mit mutiger Radikalität dahin mit, wo viele von uns demnächst sein werden.
Rezensent Andreas Rosenfelder kann dieses Buch nicht vergessen. Das liegt an Oliver Polaks Talent das Eigene für andere fruchtbar werden zu lassen, auch wenn es um die eigene Depression geht, wie Rosenfelder uns wissen lässt. Dass der Autor es schafft, sein Buch über die eigene psychische Erkrankung derart frei von deprimierenden Momenten zu halten und dafür eine Wärme produziert, die dem Rezensenten nicht nur warm uns Herz werden lässt, sondern auch intensiv mitfühlen lässt, um was es hier geht, findet Rosenfelder bemerkenswert. Darüber hinaus geht der Autor mitunter so nah ran, dass der Rezensent Momente erlebt (in der Künstlergarderobe etwa), die er in keinem Promi-Krisenbericht je gelesen hat.
Der Komödiant Oliver Polak hat in "Der jüdische Patient" schonungslos seine eigene Depression beschrieben, berichtet Ulrich Gutmair. Vor allem hat Polak daran zu kauen, wie Feuilleton und Publikum es aufgenommen haben, dass er als Jude in seinen Shows Witze über Juden und den Holocaust reißt, so der Rezensent: es wird an den falschen Stellen gelacht, Untertöne werden ausgeblendet, die Leute freuen oder ärgern sich darüber, dass sich da einer über solcherlei lustig macht, weil es ihnen lange her vorkommt - oder eben noch nicht lang genug, erklärt Gutmair. Polak reagiert mit Psychosen, geht in die Psychiatrie, schluckt Pillen; seiner Therapeutin, die will, dass er sich nicht unnötig mit fremden Vergangenheiten belastet, möchte er eigentlich zustimmen, verrät der Rezensent. Dafür muss die aber erst einmal ordentlich verarbeitet sein, weiß Gutmair.
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