Aus dem Französischen von Jürgen Ritte. Ein Mann sitzt im Hôtel des Solitaires in Khartum und wartet auf die Polizei. Um sich die Zeit zu vertreiben, schreibt er seine Erinnerungen nieder und liest in den Tagebüchern von Charles Gordon, der 1885 als britischer Generalgouverneur der ägyptischen Provinz Sudan von Aufständischen enthauptet wurde. Die Polizeibeamten wollen ihn zum Tode von Else Sutter befragen, einer jungen Archäologin, die bei den Ausgrabungen in der sagenumwobenen Königsstadt Meroe auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen ist. Sie war kürzlich erst ins Land gekommen, um eine Stelle als Assistentin von Heinrich Vollender anzutreten, einem undurchsichtigen Wissenschaftler, der in der sudanesischen Wüste nach christlichen Altertümern gräbt. Es gibt Hinweise darauf, dass Vollender früher als ostdeutscher Spion tätig war, aber beweisen kann das niemand. Beim Tod von Else Sutter jedoch musste er seine Finger im Spiel gehabt haben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.09.2017
Cornelius Wüllenkemper liebt die gescheiterten, orientierungslosen Helden von Olivier Rolin. In diesem neu aufgelegten fünfzehn Jahre alten Roman sucht der Protagonist im sudanesischen Khartum Linderung vom Liebesschmerz und trifft auf allerhand Rätsel und offene Fragen, etwa die nach der Möglichkeit, eine Geschichte linear zu erzählen angesichts einer chaotischen Welt. Die unterwegs angeschnittenen Themen Früh- und Kolonialgeschichte lassen Wüllenkemper nicht aus den Augen verlieren, worum es Rolin eigentlich geht: die Melancholie der Schönheit der Niederlage.
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