Aus dem Französischen Holger Fock und Sabine Müller. Mit der Ehe von Melvil und Luisa steht es nicht zum Besten. Um die Sache wieder ins Lot zu bringen, reisen die beiden nach Sizilien, eine Auszeit soll ja Wunder wirken. Auf der Fahrt ins Hotel biegt Melvil von der Bundesstraße ab, weil er Luisa das Meer zeigen möchte. Was keine gute Idee ist. Die beiden geraten in ein Gewitter, verfahren sich, und dann rammt ihr Leihwagen in der Dunkelheit ein Hindernis. Wahrscheinlich hat der rechte Kotflügel einiges abbekommen, aber Melvil macht sich nicht die Mühe auszusteigen, er versaut sich doch nicht die Ferien, nur weil er einmal falsch abgebogen ist. In Taormina finden die beiden eine Autowerkstatt, wo der Schaden an der Karosserie diskret beseitigt werden kann. Die Lokalzeitung meldet derweil, dass ein Kind aus einem Migrantenlager angefahren und tödlich verletzt wurde. In der Werkstatt reibt man sich die Hände. Kann sein, dass die Reparatur teurer wird als gedacht …
Nicht immer leicht nachvollziehbar ist für Rezensentin Katharina Granzin das Verhalten des Ich-Erzählers des Romans Yves Raveys. Es geht um einen Mann, der mit seiner Frau Urlaub in Sizilien macht und nach einem nächtlichen Unfall Fahrerflucht begeht. Offensichtlich hat er das Kind einer Flüchtlingsfamilie überfahren, lernen wir. Sein Vermeidungsverhalten fügt sich für die Rezensentin ins Bild eines skrupellosen Faulpelzes. Die Spannung und auch die sizilianische Noir-Atmosphäre helfen Granzin, über Logikfehler und ein altmodisches Frauenbild hinwegzusehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2023
Dass sie die Lektüre nicht bereits aufgrund des ungemein unsympathisch gezeichneten Protagonisten und Erzählers abbricht, zeigt der Rezensentin Rezensentin Katrin Doerksen bereits die Qualitäten des Autors Yves Ravey. Ähnlich wie in seinem Debüt "Die Abfindung" gelingt es ihm, knapp und präzise auf den Punkt zu kommen, lobt sie. Der Roman ist laut Doerksen als vermeintlicher Tatsachenbericht aufgebaut, mit dem der Protagonist Melvil sein Verhalten nach einem tödlichen Verkehrsunfall rechtfertigen will, sich dabei aber systematisch selbst diskreditiert. Raveys Prosa hält die Balance zwischen Komik und Tragik, findet die Kritikerin, die den Text auch als Parabel auf eine Gesellschaft liest, die sich angesichts zahlreicher sich zuspitzender Krisen weigert, Verantwortung zu übernehmen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 30.06.2023
"Ein kleines Meisterwerk" nennt Rezensentin Irene Binal Yves Raveys neuen Krimi. Darin überfährt Ehemann Melvil im Urlaub, der eigentlich zur Auffrischung seiner Ehe gedacht war, ein Kind aus einem Flüchtlingslager, lesen wir. Nachdem er erfahren hat, was genau passiert ist, weist er jede Schuld von sich, versucht diesen Unfall vor sich selbst und seiner Frau zu rechtfertigen - seine einzigen Sorgen sind die hohen Reparaturkosten für den Mietwagen, resümiert die Rezensentin. Dem Autor gelingt es auf wenigen Seiten sehr präzise Verdrängung von eigener Schuld und die Abgründe der menschlichen Psyche darzustellen und unterlegt dies mit schwarzem Humor, schließt Binal angetan.
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