Aus dem Japanischen von Jürgen Stalph. Mit Illustrationen von Susanne Theumer. 1946. Plötzlich steht ein grobschlächtiger Kerl in Feldarbeitskluft vor der Tür und behauptet, ein alter Schulfreund zu sein. Der Hausherr, ein namhafter Schriftsteller, in Tokyo mit der Familie ausgebombt und jetzt wieder auf dem Land lebend, kann sich nicht erinnern, lässt den Mann aber ein. Der "alte Freund" kommt vom Erzählen ins Schwadronieren, vom Schwadronieren ins Belehren, dezimiert dabei ganz ungeniert den in der Nachkriegszeit raren Whiskey des Hausherrn, ruft gar nach der Frau des Hauses, um sich einschenken zu lassen. Dann geht es ans Beleidigen. Der Hausherr windet sich, sagt aber nichts. Beim endlichen Abschied gibt der ungebetene Gast, beladen mit Zigaretten und dem Rest des Whiskeys, dem Hausherrn den Gnadenstoß. Er zischt ihm etwas zu. Eine Wahrheit. Eine Lüge. Osamu
Dazais berühmte Erzählung über die Feigheit des Intellektuellen, über
Scham und Selbstverachtung. Erstmals aus dem Japanischen ins Deutsche
übertragen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2017
Rezensent Steffen Gnam liest Osamu Dazais Kurzgeschichte aus dem Jahr 1946 als existentialistisches Lehrstück über die Nachkriegszeit in Japan. Wie der Autor den Verlust von Tradition und Erhabenem zeigt und das Fragwürdige und Demoralisierende der Schwarzmarktkultur anprangert, den Verlust von Wärme und Werten, hat ihn beeindruckt. Exkurse im Text entwerfen laut Gnam eine Kulturgeschichte der Demütigungen oder eine Parabel auf die Überlegenheit des Samurais.
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