Osamu Tezuka, als "Gott des Manga" verehrt, entwarf diesen düsteren Thriller zu Beginn seiner späten Schaffensphase und erschütterte damit nicht nur allzu naive Vorstellungen über die menschliche Natur, sondern sprengte auch die Erwartungshaltungen an ihn und seine erzählerischen Limits. Die Geschichte: Der junge Arzt Kirihito Osanai wird mit einer mysteriösen Krankheit konfrontiert, die in einer entfernten Gebirgsregion der Insel Shikoku ihren Ursprung zu haben scheint: sie lässt Gesichter mutieren, erzeugt eine Gier nach rohem Fleisch und scheint Menschen in hundeähnliche Bestien zu verwandeln, bevor sie innerhalb weniger Monate sterben. Eine Rettung scheint nicht in Sicht. Kirihito versucht, hinter die Ursachen zu kommen und den Opfern zu helfen, die von der Gemeinschaft verstoßen und verfolgt werden. Eine Reise um den halben Erdball wartet auf ihn, in die Abgründe menschlicher Verhaltensweisen - mit einem medizinischen Establishment im Nacken, das Kranke nur als Versuchskaninchen betrachtet und für gute Forschungsergebnisse über Leichen geht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.12.2009
Die prägende Bedeutung dieses Autors für das Manga-Genre steht für Christian Gasser außer Frage. Den vorliegenden düsteren Thriller allerdings sieht er als gekonnte Konterkarierung so ziemlich aller genrespezifischen Vorurteile und als Schwellenwerk zu Osama Tezukas reiferen Phase. Entsprechend ambivalent erscheinen Gasser die Figuren, entsprechend explizit und expressiv kommen die Zeichnungen und die Seitengestaltung daher. Für Gasser eröffnet der erste voluminöse Band der Saga um den zur Bestie mutierten Arzt Kirihito, um Liebe, Gewalt, Seuchen und Sex, ein verwirrendes Labyrinth von Handlungssträngen und Personen, von denen laut Rezensent nicht eine zur Identifikation taugt. So überstrapaziert und unglaubwürdig das Werk Gasser mitunter auch erscheint, so fraglos ist es für ihn doch ein einzigartiger wie höchst eigenartiger Comic.
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