Oskar Negts Beschäftigung mit Karl Marx und dem Marxismus reicht weit in seine Studienzeit in Frankfurt zurück. In den 1950er Jahren ging es darum, die durch den Nationalsozialismus zerstörte marxistische Tradition aus dem geschichtlichen Schutt zu bergen und sie zugleich aus jenen weltanschaulichen Fesseln zu lösen, die, wie Negt es später klassisch formulieren wird, eine kritische Theorie in eine Legitimationswissenschaft verkehrten. Neben Material aus zwei Vorlesungsreihen vom Ende der 1970er Jahre bietet der Band unveröffentlichte Manuskripte sowie einige klassische, aber verstreut publizierte Schriften von Negt zum Themenfeld "Marx und Marxismus". Die Beiträge sind nicht chronologisch, sondern thematisch geordnet. Nach Ausführungen zur Lektüre und Interpretation der Marx'schen Theorie untersucht Negt das Verhältnis von Ökonomie und Gesellschaftstheorie bei Marx, Marx' Forschungs-und Darstellungsweise, das Verhältnis von materialistischer Dialektik und Erkenntnistheorie, die materialistische Revolutionstheorie, Recht und Moral im Marxismus sowie Marxismus als Legitimationswissenschaft. Abschließend setzt er sich mit Krise und Erneuerung des Marxismus auseinander.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2026
Rezensent Jörg Später liest den vierten Band von Oskar Negts Politischer Philosophie des Gemeinsinns mit Interesse. Wie Negt ab 1971 in Hannover das Erbe des Marxismus verwaltete bzw. aufzufrischen suchte, findet Später spannend. Der Band über die Jahre 1977 bis 1979 enthält laut Später nicht nur Vorlesungen, sondern auch Unveröffentlichtes und Verstreutes zum Marxismus, unter anderem auch Negts Marx-Referat aus dem Adorno-Seminar von 1959. Die weiteren Texte dokumentieren laut Später Negts Suche nach einer kritischen Erneuerung des Marxismus, etwa, indem sie Theorie und Praxis zu vereinen versuchen. Stark findet Später auch das Nachwort des Herausgebers Hendrik Wallat, weil es in Negts Folge nicht Dogmatismus lehrt, sondern Kritik.
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