Karl Marx, der revolutionäre Querkopf und Vordenker des 19. Jahrhunderts, ist wieder da. Seit der Kommunismus in seinem Namen - aber nicht in seinem Sinne - Geschichte ist, feiert er ein bemerkenswertes Comeback. Anlässlich seines 200. Geburtstags erkundet Jürgen Neffe dessen Ursachen - in Marx´ Schriften wie in seiner Biografie. Er schildert das Leben eines Flüchtlings und geduldeten Staatenlosen, der für seine Überzeugungen keine Opfer scheut. Weder Krankheit, Armut, Ehekrisen noch Familientragödien halten ihn davon ab, beharrlich an seinem Werk zu arbeiten. Mit seiner Analyse des Kapitalismus als entfesseltes System sagt er die globalisierte Welt unserer Tage bis hin zur Finanzkrise voraus. Neffe zeichnet die Entwicklung der Marx'schen Gedankenwelt von Entfremdung und Ausbeutung in den Frühschriften bis zur ausgereiften Krisentheorie im Kapital nicht nur nach. Als erfahrener Popularisierer der Wissenschaft erklärt er die Theorien in verständlicher Form und konfrontiert sie mit der Realität des 21. Jahrhunderts.
Detlev Claussen ist begeistert. Dass sich aus Marx noch mal Funken fürs 21. Jahrhundert schlagen ließen, hätte er nicht gedacht. Jürgen Neffe macht's möglich. Indem der Wissenschaftshistoriker laut Claussen mit flüssiger Schreibe und Gefühl für suspense die Biografie abtastet und das Werk erschließt, es auch dem Laien verständlich macht, wie der Rezensent versichert, lässt er den Moment der Entstehung des "Kommunistischen Manifests" in der Geschichte aufleuchten. Marx lebendig, Marx als Intrigant, Marx und Jenny. Wie Neffe anhand der Korrespondenz und mit historischem Gespür Marx als Unvollendeten begreift und "Das Kapital" frisch interpretiert, findet Claussen stark.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2017
Rezensent Gerd Koenen scheint nicht sehr überzeugt von Jürgen Neffes Marx-Schwärmerei zu sein. Der stürmisch-bewundernde Ton des Porträts, den der Naturwissenschaftler und Philosoph anschlägt, die Einreihung in das Gespann Einstein und Freud und die "sozialmissionarisch" argumentierend geäußerte Hoffnung des Autors darauf, die Welt möge doch noch den richtigen, also kommunistischen Weg einschlagen, verfehlen leider ihre Wirkung auf den Rezensenten. Zumal Neffe in seiner "historischen Teleologie" mitunter noch hinter Marx zurück denkt, wie Koenen feststellt.
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