Der tragische Impuls für die Niederschrift dieser Romanbiografie war der Selbstmord von Ota Filips Sohn Pavel. Er wurde, so vermutet man, durch manipulierte Wahrheiten und Halbwahrheiten ausgelöst, auf Grund von echten, aber auch zweifelhaften, in der Prager Unterwelt gekauften Dokumenten, die zu einer Pressekampagne führten, in der Ota Filip der Mitarbeit für die tschechoslowakische Staatssicherheit bezichtigt wurde. Auf der Grundlage seiner Akten im tschechischen Innenministerium gibt Filip hier im Rückblick auf die Jahre 1939 bis 1953 eine Darstellung seines "siebenten Lebenslaufs", wie ihn der Oberst Frantisek Fic 1951 bis 1953 verfasste.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 13.12.2001
Klaus Harpprecht ist der Ansicht, dass sich dieses Buch "jeder literarischen Bewertung" entzieht. Dennoch stellt er einige Beobachtungen an. Filip, der im Laufe seines Lebens manches Regime in manchem Land habe miterleben müssen, und der sich allem Anschein nach auch in einiges habe verstricken lassen, verpacke seine Geschichte als "autobiografischen Roman". Dem Rezensent missfällt diese Form, da es den Anschein habe, Filip wolle sich so der Anklage entziehen. Und doch sei es gerade ein wichtiger Aspekt dieses Buchs, dass es verdeutliche, warum sich kein Bürger der Korrumpierung durch ein totalitäres Regime entziehen könne. So gesehen empfiehlt Harpprecht die Lektüre als "Impfung vor dem eigenen Hochmut". Stilistisch gesehen weise das Werk jedoch erhebliche Mängel auf: es "entgleitet gelegentlich ins Manierierte", und vor lauter Selbstmitleid und Verzweiflung werde es zu einer "Apotheose des Kitsches".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.08.2001
Andreas Oplatka rezensiert Ota Filips neuen Roman mit großer Wärme und Anteilnahme, ja, sogar mit Engagement. Der autobiografische Roman dokumentiert das einschneidendste Ereignis im Leben des jungen Ota Filip, das aufmerksamen Zuschauern des Bayrischen Fernsehens seit 1998 bereits bekannt sein dürfte, erläutert er. Zeit: frühe 50er Jahre. Ort: die Tschechoslowakei. Der jugendliche Protagonist erfährt von Fluchtplänen seiner Kollegen und vertraut sich mit seinem Wissen seinem Onkel an, der sein Vertrauen nicht verdient, sondern seine Kenntnisse weitergibt. Verhöre und Folterungen folgen. In den 90er Jahren stellt sich heraus, dass alles eine abgekartete Sache war, die Fluchtwilligen längst unterwandert waren und der Protagonist Ziel der gesamten Aktion war. Ota Filips Roman sei die Geschichte des Schuldigwerdens jedes Einzelnen in der Diktatur, gleichzeitig der überfällige Kommentar zu der Enthüllungsstory des Bayrischen Fernsehens über den Täter Ota Filip. Aber kein Wort schreibe der Autor über die Filmemacher ... Warum auch? Der Sohn Pawel Filip, der sich nach dieser Diffamierung durchs Fernsehen das Leben genommen hat, werde davon auch nicht wieder lebendig.
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