Dieter Borchmeyer hat zwei Bücher gelesen, die angetreten sind, der wachsenden Geringschätzung der Philologie eine "Liebeserklärung" an das Fach entgegenzusetzen. Ottmar Ettemacht fordert in seinem Buch "ÜberLebenswissen" die Philologie zur "Rückkehr" zu den alten philologischen "Tugenden" auf, gleichzeitig regt er auch die Hinwendung zu einer "Vernetzungswissenschaft" an, die sich in "verschiedenen Diskursen üben" muss, um auch heute noch bestehen zu können, konstatiert der Rezensent. Er findet den "utopischen Charme", den die Ausführungen Ettes ausstrahlen durchaus ansteckend und freut sich über die "Liebe" zum Fach die aus diesem Buch spricht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.10.2004
Zur "Symbolfigur einer Wissenschaft für das 21. Jahrhundert" erkläre Ottmar Ette in seinem neuen Buch Alexander von Humboldt, berichtet Rezensent Bernhard Dotzler. Der Autor verstehe die "Humboldtian Science" und das "Humboldtian Writing" als "relational" oder "vernetzend". Er sehe darin ein Muster transdisziplinären "Weltbewusstseins", das "philosophisch-kulturwissenschaftliche und naturwissenschaftliche Ansätze und Denkformen in einer sich zunehmend globalisierenden und damit immer komplexer werdenden Welt im Wandel" (Ette) vereine. Ette suche die Denkformen der Biowissenschaften zu denen der Geistes- beziehungsweise Humanwissenschaften in Beziehung zu setzen und beharre darauf, dass auch diese mit "Lebenswissen" zu tun hätten. Als "nachlesenswert" findet Dotzler, wie Ette skizziert, was Philologie einst war und manchmal nach wie vor ist. Eine Relationierung der "Lebenswissen-schaft" solcher Art und der "Lebens-wissenschaft" aus dem Labor bleibe das Buch indes schuldig.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.09.2004
Sein neues Buch hat der Potsdamer Romanist Ottmar Ette zu einem nicht geringen Teil den Helden der Romanistik des 20. Jahrhunderts Erich Auberbach, Hugo Friedrich, Werner Krauss und Erich Köhler gewidmet, schreibt Kersten Knipp in seiner Rezension. Das "zentrales Anliegen" des Autors aber sei, die Geisteswissenschaften als "Wissen vom Leben in narrativer Form" herauszustellen, erklärt der Rezensent. Damit hat Ette nach Ansicht des Rezensenten auch den Biowissenschaften etwas entgegenzusetzen, indem er nämlich dafür argumentiert, einer "(prä)deterministischen)" Weltsicht die "Unberechenbarkeit" des "gesellschaftlichen Lebens" und den Zufall als zukunftweisendes Moment entgegenzustellen. Der Rezensent lobt diesen Band als "pointiert, humorvoll und sensibel", wobei er befriedigt feststellt, dass es, insbesondere wo Ette sich mit dem "Toleranzbegriff" auseinandersetzt, "hochgradig politisch" ist. Deshalb freut er sich auch, dass hier ein "kluges Buch" zeigt, dass die Verantwortung der Wissenschaft zugleich "hohen Unterhaltungswert" haben kann.
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