Aus dem Lateinischen von Wilhelm Hertzberg und Franz Burger. Herausgegeben und kommentiert von Tobias Roth, Asmus Trautsch und Melanie Möller. Skandalumwittert, als Kamasutra der Antike verschrien, als zynischer Dating-Ratgeber verkannt, als große Dichtung verehrt: Ovids Liebeskunst.
Schon dass er ein Buch über die Kunst der Verführung in der hehren Form eines 'Lehrgedichts' schrieb, mag manchen Zeitgenossen empört haben. Ovid selbst gab an, die Liebeskunst habe zu seiner Verbannung aus Rom beigetragen - der sich bis zu seinem Tod nach der Pracht Roms zurücksehnende Dichter starb im Exil am Schwarzen Meer.
Spätere, christliche Jahrhunderte zeigten sich verstört vom offenen Ton und dem durchaus pragmatischen Umgang mit Sex und Erotik, den das Buch pflegt: Ovid rät z. B. dazu, der Angebeteten in Liebesbriefen das Blaue vom Himmel zu versprechen - zum lustvollen Vorteile beider. Als Anbandel-Orte empfiehlt er Theater und Arena: Hier kochen die Emotionen hoch und eng an eng sitzt man auch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2018
Ovids Liebeskunst ist für Rezensent Ulf von Rauchhaupt in der Sprache einmalig und klar und heiter, der Inhalt allerdings oft skandalös. Dass die Herausgeber Tobias Roth, Asmus Trautsch und Melanie Möller für die vorliegende Ausgabe nicht nur auf eine längst überholte Übersetzung zurückgreifen, sondern den laut Rauchhaupt für das Verständnis notwendigen Kommentar zum Text mit Sachfehlern und Überflüssigem befrachten, kann der Rezensent nicht verstehen. Auch die Textaufteilung macht ihm Schwierigkeiten, indem sie Sinnabschnitte und das Versmaß zerreißt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.11.2017
Durchaus liebenswert findet Rezensent Burkhard Müller diese zu Ovids 2000. Todestag neu aufgelegte Edition von Ovids "Liebeskunst". Allerdings wird das Lesevergnügen gleich doppelt getrübt, fügt der Kritiker hinzu: Zum einen erscheint es ihm nicht besonders klug, hier auf die Übersetzung der beiden Philologen Hertzberg und Burger aus dem 19. Jahrhundert zurückzugreifen, die das lateinische Distichon verwendet und für das "moderne germanische Ohr" ungeläufig klingt. Zum anderen stört den Rezensenten die Masse an Anmerkungen auf jeder einzelnen Seite, die durchaus interessant seien, aber Ovids Originaltext geradezu "ersticken".
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