Aus dem Englischen von Sky Nonhoff. "Verdammt!" brachte Pater Gerasimo hervor. "Der Jüngste Tag ist gekommen." Als das kleine namenlose griechische Dorf, in dem diese neunzehn miteinander verknüpften Geschichten spielen, von einem Erdbeben heimgesucht wird, ist dies für den verzweifelten Pater der unwiderlegbare Beweis für den himmlischen Zorn, der angesichts der vielen kleinen und großen Sünden seiner gottlosen Schäfchen nun auf sie alle herabkommt. Das Leben auf dem Land aber ist hart, für Mensch und Tier, und vom Bahnwärter über den Bürgermeister bis hin zum Barbier oder zur Hure: keiner bleibt von den Katastrophen der verschiedensten Art verschont. Da bleibt die ein oder andere Schandtat nicht aus, ob nun aus Habgier oder Liebe begangen. Und am Ende ist es nicht der göttliche Zorn, der die Zerstörung bringt, sondern, wie so häufig, der Mensch höchstselbst ...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.11.2004
Sehr angetan zeigt sich Rezensentin Barbara Spengler-Axiopoulos von Panos Karnezis' Geschichten aus der griechischen Provinz. Angesiedelt in einem seltsam zeit- und ortlos anmutenden Dorf handelten die neunzehn locker miteinander verbundenen Geschichten um die größeren und kleineren Gemeinheiten der Dorfbewohner. Die "düstere, beklemmende Atmosphäre" der Geschichte "Das Steinbegräbnis", in der zwei junge Mädchen wie Tiere im Keller gefangen gehalten werden, erinnert die Rezensentin an klassische Beispiele der Kerkerliteratur von de Sade bis Pasolini. Andere Erzählungen, Zirkusgeschichten, die von einem depressiven Zentaur, einer Meerjungfrau und anderen Fabelwesen bewohnt werden, findet sie "federleicht". Wieder andere, etwa "Jäger im Winter", beobachteten, ähnlich wie die frühen Stücke eines Harold Pinter, den Einbruch bedrohlicher Gestalten in eine geschlossene Gemeinschaft. Bisweilen mündeten die "burlesken Fehltritte" der Dörfler in eine griechische Tragödie. Spengler-Axiopoulos hebt hervor, dass Karnezis von Geschichte zu Geschichte mühelos Perspektive, Erzähltempo und den Stil wechsle. Auch die "vitale und originelle" Sprache des Autors, die Sky Nonhoff "höchst treffend" ins Deutsche übertragen habe, hat sie überzeugt. Das Resümee der Rezensentin: Mit seinen "kleinen Gemeinheiten" sind Panos Karnezis "ganz wunderbare und aufregende Erzählungen" gelungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2004
Für den Rezensenten Oliver Jungen gibt es klare Parallelen zwischen Augustinus' Schilderung des Untergangs von Babylon und der neuen Erzählsammlung des Griechen Panos Karnezis. Nur dass die "Verdammten" in Karnezis neunzehn Erzählungen in einem abgeschiedenen Dorf in Griechenland ihr Unwesen treiben. Vom "fulminanten" Anfang an hat Jungen die "burlesken Verfehlungen der Dörfler" mit großem Vergnügen verfolgt. Und dass das Dorf zuletzt in die selbstverschuldete Katastrophe schlittert, findet seinen besonderen Gefallen: "Atlantis hat es nicht besser verdient." Ausdrücklich lobt er auch den Übersetzer Sky Nonhoff, der Karnezis' "originellen Stil" geradezu "kongenial" übertragen habe.
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