Die alternde Gesellschaft erzeugt zwei neue Minderheiten: Kinder werden eine Minderheit in der Bevölkerung und Eltern von Minderjährigen werden eine Minderheit unter den Wahlberechtigten. Deshalb fehlt allgemein das Problembewusstsein für die aktuelle Transformation von Kindheit: Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen "Migration", "Armut" und "Digitalisierung" verändern Kindheit grundlegend. Kinder sind biografisch immer früher und täglich immer länger in Bildungsinstitutionen. Die Institutionen müssten also nicht nur die Herausforderungen Migration, Digitalisierung und Kinderarmut bewältigen, sondern zunehmend auch Teile des Familienlebens ersetzen - und nicht mehr nur ergänzen. Dafür sind sie aber nicht richtig aufgestellt, wie eine Vielzahl von Studien zeigt. Was bedeuten diese gesellschaftlichen Schieflagen für die jungen Menschen und damit für die Zukunft dieses Landes? Und wie kann man die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen nachhaltig berücksichtigen?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2025
Rezensentin Katharina Teutsch liest die von den drei "Bildungs- und Migrationsexperten" Aladin El-Mafaalani, Sebastian Kurtenbach und Klaus Peter Strohmeier verfasste Studie mit Spannung. Dass Deutschland Einwanderungsland ist und damit umzugehen hat, ist für Teutsch nur eine Erkenntnis der Lektüre. Eine andere betrifft den Umgang mit Bildung. Hier erläutern die Autoren der Rezensentin die neue Realität aus Milieus und die damit einhergehenden Herausforderungen und geben Perspektiven vor: Kitas und Schulen als "multifunktionale und multiprofessionelle Organismen", Lebensorte, Gemeinschaftsräume. Anregend und wichtig, findet Teutsch.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.02.2025
Mit viel Sympathie bespricht Rezensentin Karin Janker dieses Buch der Sozialwissenschaftler Aladin El-Mafaalani, Sebastian Kurtenbach und Klaus Peter Strohmeier. Es beschäftigt sich, lernen wir, mit der Stellung von Kindern in der deutschen Gesellschaft und diagnostiziert in dieser Hinsicht große Probleme: Kinder sind in der Gesellschaft in vielen Bereichen nicht erwünscht und haben nicht die Möglichkeit, für ihre Rechte zu kämpfen. Teil des Problems ist die überalterte Gesellschaft, lesen wir, die Kinder werden immer mehr in Bildungseinrichtungen abgeschoben, bis zu 40 Stunden die Woche. Und da geht es oft nicht ums Kindeswohl, fasst Janker weiter zusammen, sondern um Leistung, außerdem sind die Institutionen unterfinanziert. Mehr Geld alleine würde allerdings nicht reichen, stellen die Autoren klar, vielmehr müsste der Leistungsdruck gemindert und Kindergärten sowie andere Institutionen dahingehend reformiert werden, dass sie soziale und emotionale Unterstützung leisten, auch die Einrichtung von Zukunftsräten könnte hilfreich sein. Die Rezensentin zeigt sich mit solchen Forderungen weitgehend einverstanden.
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