Patrick Boucheron

Leonardo und Machiavelli

Geschichte einer unbekannten Begegnung
Cover: Leonardo und Machiavelli
Wolff Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783941461376
Kartoniert, 180 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Urbino Ende Juni 1502. Die italienische Stadt wurde soeben mit einer solchen Geschwindigkeit, Wucht und Skrupellosigkeit eingenommen, dass der Name ihres Eroberers von nun an in ganz Italien widerhallt: Cesare Borgia. Er gehört zu den Fürsten einer neuen Zeit, die mit ihren Feldzügen die alte Ordnung Italiens in Trümmer legen. Im Zeitraum der Eroberung halten sich auch Leonardo da Vinci und Niccolò Machiavelli in Urbino auf. Leonardo hat sich zuvor als Ingenieur Borgias Hof angeschlossen; Machiavelli soll im Auftrag der Republik Florenz die neue politische Lage beobachten.Vieles deutet auf eine Begegnung zwischen Leonardo und Machiavelli in Urbino hin, doch ist nichts von ihr überliefert. Obwohl sich die Wege der beiden in den folgenden Jahren noch mehrfach kreuzen, erwähnen sich gegenseitig mit keiner Silbe. Wie aber erzählt man die Geschichte einer Begegnung, die nur spärliche Spuren hinterlassen hat? Patrick Boucheron betrachtet Leonardo und Machiavelli als Zeitgenossen, die mit denselben drängenden Fragen konfrontiert sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2020

Der französische Mittelalterhistoriker Patrick Boucheron sorgte mit seiner 2017 erschienenen "Histoire globale de la France" in Frankreich für einigen Wirbel, zerlegte er dort doch die Erzählung von der großen Nation, erinnert Rezensent Andreas Kilb. Unter anderem wurde Boucheron als "Wohlfühlintellektueller" bezeichnet - ein Begriff, den Kilb gern aufnimmt, um vor diesem Hintergrund Boucherons in Frankreich bereits vor zwölf Jahren erschienene Studie über das Verhältnis von Leonardo und Machiavelli zu lesen. Wenn der Autor hier darüber nachdenkt, worüber der Maler und der Philosoph bei einem Zusammentreffen gesprochen und wie sie sich gegenseitig inspiriert haben könnten, gerät dem Rezensenten das Buch zu "spekulativ". Statt Thesen findet er hier vor allem in "Suggestivfragen" verpackte "Verlockungen". Die sind aber so elegant geschrieben, dass Kilb mitunter an die "rhetorische Gelenkigkeit" eines Mereschkowski oder Kantorowicz denken muss und durchaus eine Lektüreempfehlung ausspricht.

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