Schwarzer Atlantik
Moderne und doppeltes Bewusstsein

Merve Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783962730680
Kartoniert, 472 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Utku Mogultay. Paul Gilroy zeigt in seinem 1993 erschienenen Grundlagenwerk, wie sich ein modernes Schwarzes (Selbst-)Bewusstsein nicht nur als afrikanisch, amerikanisch, oder karibisch beschreiben lässt, sondern vielmehr als hybride afrodiasporische Kultur, die ethnische Zugehörigkeiten oder Nationalitäten gar nicht erst ignoriert.Charakterisiert durch ihre Prozesshaftigkeit, sich manifestierend in einem stetigen Transfer von und durch vor allem Musik und Literatur, bildet sie das sich ständig re-konstituierende Merkmal einer "Black Identity".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2025
Eine anregende Lektüre ist Paul Gilroys Buch für Rezensent Bert Rebhandl. Gilroys inzwischen zum Klassiker des Postkolonialismus avanciertes, nun auf Deutsch vorliegendes Werk stellt musikgeschichtliche Überlegungen ins Zentrum, erläutert Rebhandl: Gilroy fragt, ob schwarze Musik von Spirituals bis Hip-Hop eine Art von Verständigung über die Kontinente hinweg mit sich bringen kann. Rebhandl interessiert sich vor allem für das Verhältnis dieser Überlegungen zur Habermas'schen Theorie der kommunikativen Vernunft, wobei Gilroys Ausführungen die Frage aufwerfen, ob die kommunikative Moderne eines Habermas überhaupt Platz hat für nichtdiskursive Begrifflichkeiten wie Trauma und Schmerz, auf die Gilroy mit Blick auf das Erbe des Sklavenhandels abhebt. Aus heutiger Perspektive wichtig sind außerdem Gilroys Ausführungen zum Zionismus, findet Rebhandl, denn Gilroy zieht Parallelen zwischen schwarzem und jüdischem Leid, was in einem Spannungsverhältnis steht zur heutigen, zumindest in Teilen antisemitischen, Fixierung des Postkolonialismus auf den Israel-Palästina-Konflikt. Alles in allem eine lohnende Wiederbegegnung, so das Fazit.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.07.2025
Höchste Zeit, dass dieses Buch nun auch auf Deutsch verfügbar ist, befindet Rezensent Jens Balzer: Obwohl es im Original schon 1993 erschienen ist, hat es auch den Debatten der Gegenwart viel zu sagen. Der Autor Paul Gilroy unterrichtet am University College London und ist selbst der Sohn eines englischen Vaters und einer Mutter aus Guyana, erfahren wir, sein Interessengebiet liegt in den Kulturen der afrikanischen Diaspora. Er erforscht in dem Buch insbesondere, wie die Sklaven, die aus Afrika nach Amerika verschleppt wurden, eigene Musikstile entwickelt haben, in denen ihre Traumata ebenso Thema sind wie ihr Freiheitsbedürfnis. So ist auch der Reggae entstanden, erfahren wir. Balzer freut sich, dass Gilroy die suchenden Bewegungen des "Schwarzen Atlantik" so abzeichnet, dass klar wird, dass es "keine kulturelle Essenz" gibt und Kultur immer Vermischung ist, was auch für hiesige Debatten eine wichtige Erkenntnis sein dürfte.