Anton Kuh

Juden und Deutsche

Cover: Juden und Deutsche
Löcker Verlag, Wien 2003
ISBN 9783854093695
Gebunden, 205 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

"Juden und Deutsche", erstmals erschienen in Berlin 1921, ist ein fulminanter Beitrag zu einer Debatte, die in Deutschland und Österreich zwischen 1900 und 1933 geführt wurde. In seiner kritischen Analyse des deutschen Judentums unterzieht er die beiden gängigen Positionen - die der Assimilation und die des Zionismus - gleichermaßen einer witzigen und polemischen Kritik, dies aber von einem denkbar ungewöhnlichen Standpunkt aus: Nicht nur von Ludwig Börne und Friedrich Nietzsche, sondern vor allem von Otto Gross' anarchistischer Überbietung der Psychoanalyse her argumentierend, stellt er diesen "bürgerlichen" Versionen des modernen Judentums eine antibürgerliche entgegen, eine nach Kuh allerdings genuin jüdische Moderne: die der Diaspora.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.01.2004

Unter den k.u.k. Wiener Kaffeehausliteraten zählt Anton Kuh heute zu den weniger bekannten. Und diese Studie aus dem Jahr 1921 war ohnehin weitgehend vergessen, bevor sie der Löcker-Verlag (den die Rezensentin Stefana Sabin für seine Kuh-Edition auch ganz ausdrücklich lobt) jetzt wieder heraus gebracht hat. Das Buch, das zu seiner Zeit, wie der Anhang dokumentiere, heftig diskutiert wurde, sieht für das Verhältnis der Deutschen und der Juden weder in der Assimilation noch im Zionismus eine Lösung. Sein mit viel Polemik vorgetragener Vorschlag lautet vielmehr: "selbstverständliches Anders-Sein", gerade angesichts des im Hang zu "Selbstkontrolle und Selbsthass" verwandten Geistes beider, der Juden wie der Deutschen. Ein Buch, das auch heute noch provozieren kann, resümiert die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.08.2003

Manche Bücher sollte man auch hören können, seufzt Lothar Müller. Das vorliegende beispielsweise, das sich aus Vorträgen des Wiener Journalisten Anton Kuh (1890 bis 1941) zusammensetzt, die vom Herausgeber kundig kommentiert werden und somit den intellektuellen Raum ausloten, in dem Kuh als Gegenfigur zu Karl Kraus agierte. Kuh entstammte einer jüdischen Prager Familie und hat sich besonders mit dem Verhältnis von Juden und Deutschen auseinandergesetzt, aber ebenso, betont Müller, mit dem Verhältnis beider Völker zu sich selbst. Juden wie Deutsche seien für Kuh vom Selbsthass gezeichnet, erklärt der Rezensent. Die Wurzel dieses Übels habe für Kuh in der patriarchalisch strukturierten Familie gelegen. Kraus sei insofern für Kuh der Inbegriff von jüdischem Selbsthass, orthodoxer Schriftfixierung und ein lebenslänglich Pubertierender gewesen, der sich aus der familiären Umklammerung nicht frei machen konnte. Auch Kuhs Stegreifrede "Der Affe Zarathustras", in der er Kraus direkt angriff, ist in dem Band enthalten. Kuh, erläutert Müller, ging es um ein Zusammenschluss von Juden und Deutschen, sie sollten ihren Selbsthass in revolutionäre Energie umwandeln. In diesem Sinn galt es für Kuh, das Nietzscheanische Element zu stärken und der Verquältheit eines Thomas Mann eine Absage zu erteilen, umreißt Müller den intellektuellen Horizont Kuhs, den er erstaunlich weitsichtig findet.

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