Das Lamento nach der Wahl war groß, und manche wollten sogar auswandern. Paul Kirchhof rät zu Nüchternheit und Klarheit. Kirchhof führt die Debatte um ein Erneuerungskonzept zurück auf die zentralen Fragen: nach dem Verhältnis Sozialstaat und Geld, nach der Balance zwischen Freiheit und Gemeinschaft, nach einer verständlichen und klaren Rechtskultur, nach der Verständigung über verbindliche Werte und Verhaltensmaßstäbe, nach der Notwendigkeit einer ehrlichen und argumentativen Sprache in der Politik. Reformen wurden angepackt. Aber sie können nur der Auftakt sein. Die Situation ist schwierig. Aber die Reform des Staates ist möglich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 31.05.2006
Keine Argumentationen, nur "Beschwörungsformeln" habe der Beinahe-Finanzminister zu bieten, stellt ein ernüchterter Rezensent Thomas Kreuder fest. Paul Kirchhof liefere weder Erklärungen seiner Strategien, obwohl er sich immerzu auf Wissenschaftler berufe, noch stelle er überhaupt die Fragen, warum, mit welchem Zweck und zu wessen Vor- und Nachteil reformiert werden müsse. Statt dessen berufe sich der Autor häufig auf einen angeblichen Common Sense in der unsrigen Gesellschaft. Und noch auf seinem Spezialgebiet, reibt sich der Rezensent verwundert die Augen, bei den Problemen durch internationale Kapitalflüsse, erwähne der Autor beispielsweise die Tobin-Steuer mit keinem Wort und "predige" als Medikation gegen monetären Egoismus eine neue Religiosität und Demut. Moralisch engstirnig und eurozentristisch sei auch Paul Kirchhofs notorisches Reden von der hiesigen Kultur etc. Für den Rezensenten läuft eine solche Simplifizierungsstrategie auf die Utopie eines realitätsfernen Biedermeiers hinaus.
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