Der Begriff "Kontinentalisierung" bezeichnet einen aktuellen Prozess der Internationalisierung: Auf allen Erdteilen schließen sich Einzelstaaten zu Assoziationen zusammen, um in einer Epoche abnehmender Nationalisierung und verstärkter Globalisierung die Interessen ihrer Kontinente wirtschaftlich, politisch und kulturell zu wahren. Ein Beispiel gezielter Kontinentalisierung ist die - inzwischen 50 Jahre alte - Europäische Union. Dieser Band beginnt mit einem Essay über Schriftsteller, die die EWG/EG/EU ihrer wirtschaftlichen Einseitigkeit wegen kritisierten. Die weiteren Beiträge zeigen, wie im Lauf der letzten beiden Jahrhunderte AutorInnen der Klassik und Romantik, des Realismus, der Moderne und der Postmoderne am Europadiskurs teilnahmen und Beiträge zur europäischen Identitätsbildung lieferten. Im Vorwort wird die aktuelle EU-Diskussion gesichtet und im Nachwort die Frage der künftigen Zusammenarbeit zwischen Europa und den USA aufgeworfen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.08.2007
Paul Jandl zeigt sich beeindruckt von diesem neuen Buch des Germanisten Paul Michael Lützeler, in welchem dieser dem Leser die Geschichte Europas anhand einiger erlesener literarischer Arbeiten der großen europäischen Schriftsteller auseinandersetzt. Ergänzt hat er diese Auswahl durch eigens verfasste Aufsätze, die die wichtigsten Ereignisse der europäischen Geschichte in einen Gesamtzusammenhang einbetten und dem Buch auf diese Weise zu seiner "plurizentrischen Offenheit" verhelfen. Mit "stupendem Wissen und großer intellektueller Kombinationsfreude" bewege man sich damit durch Raum und Zeit, so der Rezensent, der sich auch darüber freut, dass hier an das kritische Potential zeitgenössischer Literatur erinnert wird: So könne man dieses Buch durchaus auch als "subtile Warnung vor dem Primat einer gleichmacherischen Ökonomie" lesen.
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