"Wer druckt hier jetzt dieses Buch?" So die "Frankfurter Allgemeine", als der Münchner Verlag C.H. Beck ein Manuskript ablehnte, das vorher bereits in Italien, Frankreich, Spanien und England erschienen war. Der Vorfall ist stark beachtet worden, ist der Autor doch ein international geachteter Wissenschaftler. Um auch einem deutschen Publikum die Möglichkeit zu geben, sich ein eigenes Urteil zu bilden, hat sich der PapyRossa Verlag zur Veröffentlichung des Buches entschlossen. (...) Das Buch gibt einen Überblick über die Entwicklung dessen, was "der Westen" gemeinhin als Demokratie begreift. Dem stellt es ein anderes Verständnis entgegen: Demokratie nicht verkürzt zum Herrschaftsinstrument einer liberalen Oligarchie, sondern uneingeschränkt als reale und universelle Gleichheit. Daraus ergibt sich eine andere Sicht auf die Antike, die englische und amerikanische Revolution, die Jakobinerdiktatur, die Pariser Commune, die Oktoberrevolution und - bei aller Deformation unter Stalin - eben auch auf die Sowjetunion, auf Faschismus und Antifaschismus wie auf die Nachkriegsgeschichte. Aus dieser Perspektive heraus sieht der Autor ein bis heute uneingelöstes Vermächtnis.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.05.2006
Fast in Rührung gerät Johan Schloemann angesichts des alten Kämpfers, der vehement den Kommunismus Stalinscher Prägung verteidigt und den Begriff Demokratie stets nur in Anführunsgzeichen schreibt. Eigentlich lohnt die Studie für den Rezensenten kaum die "Leidenschaft der Gegenrede", die Canfora in seinen Thesen pflegt, ginge es nicht auch um die Vorgeschichte und den Zensurvorwurf, den Canfora und eine italienische Tageszeitung erhoben, als der Beck Verlag das Manuskript ablehnte. Es geht hier aber nicht um Zensur, stellt Schloemann kalr, sondern um wissenschaftliche Standards. Denn dies sei das eigentliche Ärgernis: Canfora arbeite in seinem Parforceritt durch die Geschichte fahrlässig mit semantischen Unschärfen, er verzichte auf genaue Analysen ebenso wie auf die Differenzierung zwischen Ideengeschichte und Ereignisgeschichte. Solche Fragen, so Schloemann, gehören berechtigterweise in den Lektoratsprozess "und nicht in die Öffentlichkeit, die damit nicht behelligt werden müsste, wenn Canfora ein besseres Buch geschrieben hätte".
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