Die Funktionsweisen der NS-Herrschaft in den Städten und Gemeinden werden durch die Finanzströme der öffentlichen Haushalte deutlich.
Das braune München schrieb schwarze Zahlen. Doch was verbarg sich hinter den Jahresbilanzen einer Großstadt im "Dritten Reich"? In seiner Pionierstudie zur kommunalen Finanzpolitik in der NS-Zeit entschlüsselt Paul-Moritz Rabe die Zahlenkolonnen der städtischen Haushaltspläne und erzählt die Geschichten, die sich hinter ihnen verbergen. So zeigt er, wo und wie die Lokalverwaltung Geld ausgab, um dem Anspruch als "Hauptstadt der Bewegung" nachzukommen. Deutlich wird: Städtische Haushaltspolitik war kein ideologiefreies Verwaltungshandeln. Die Etatplanung war vielmehr Ausdruck einer sich nach nationalsozialistischen Vorstellungen wandelnden Stadtgesellschaft und zugleich ein zentrales Instrument, um diese Transformation voranzutreiben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2018
Jürgen Klöckler hält die Studie des Historikers Paul-Moritz Rabe über die kommunalen Verstrickungen Münchens in den Führerkult für einen großen Wurf. Wie der Stadthaushalt als Herrschaftsinstrument genutzt wurde, kann ihm der Autor zeigen. Die "vorzügliche" Analyse krankt für Klöckler allerdings an der allzu stark ausgeprägten subjektiven Perspektive. Auch dass der Autor mit der Stunde Null abbricht, anstatt die personelle Kontinuität in der Stadtverwaltung während der Besatzungsjahre aufzuzeigen, findet Klöckler schade.
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