Mit 51 Abbildungen. Was um Himmels Willen ist bloß passiert - fragt man sich, wenn man mit wachen Augen durch römische Antikenmuseen läuft. Wieso verschwindet plötzlich und auf nimmerwiedersehen in spätrömischer Zeit der schöne Naturalismus, der aus Kaisern, Konsuln, deren Frauen und Kindern Menschen wie du und ich machte, nur ein wenig bigger than life, fast wie im Fernsehen? Was war nur der Grund für die Invasion des Vergröberten, des Karikaturhaften, des Abstrahierten, des Grotesken, des Simplifizierten überall in der spätantiken Kunst? Die Barbaren? Das Christentum? Nichts davon, sagt der große französische Althistoriker Paul Veyne, kein äußerer Grund, vielmehr eine der Kunst innewohnende Notwendigkeit ließ den Stil vom Hellenismus ins Mittelalter stürzen. Eine feinfühlige, genaue und gerechte Neuinterpretation der "Mutter aller Dekadenzepochen".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.02.2010
Wer eine neue Sichtweise auf die Kunst der Spätantike kennenlernen möchte, dem empfiehlt Christian Thomas das Paul Veynes Buch. Nach Ansicht des Rezensenten gelingt es Veyne, das vorherrschende Bild der eher anstößigen, uneleganten Kunst der Spätantike zu rehabilitieren. Mit Ironie kommt Veyne zu kultursoziologischen Einsichten, die die Epoche in ihrer Stilvielfalt und Durchlässigkeit zeigt, wie Thomas berichtet. Mit der These, dass die Mimesis in der Spätantike abhanden kommt, ohne jedoch die technische Kunstfertigkeit einzubüßen, hat Veyne den Rezensenten von seinem Buch auf jeden Fall überzeugt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.12.2009
Rezensent Mischa Meier, selbst Professor für Alte Geschichte in Tübingen, begrüßt Paul Veynes' Buch über die Kunst der Spätantike. Überzeugend findet er dessen Einspruch gegen die These, die Kunst der Spätantike sei plump und durch Verfall und Dekadenz charakterisiert. Demgegenüber macht Veyne für ihn deutlich, dass die Spätantike eine Epoche von "künstlerischer Vitalität" und einem bis dahin nicht gekannten Pluralismus war. Ja, er empfindet die Ausführungen des Autors über den künstlerischen Facettenreichtum der Spätantike geradezu als "Wohltat". Aus mehreren Gründen: Veynes stellt in Meiers Augen das Klischee von der intellektuellen Verkümmerung dieser Epoche in Frage, zeigt Kriterien auf, "aus denen sich ein für die ausgehende Antike verwendbarer Epochenbegriff formen lässt", und rechnet mit simplen Erklärungsmustern ab.
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