Ein halbes Jahrtausend lang erstreckte sich das Osmanische Reich, mit Konstantinopel als Zentrum, von der arabischen Halbinsel bis auf die Balkanhalbinsel, zeitweilig bis vor die Tore von Zagreb. Bosnien und Herzegowina wie auch grosse Teile von Kroatien gehörten dazu. Diese Herrschaft hat Spuren hinterlassen. Auf dem Balkan mutet vieles orientalisch an. Aber nicht alles, was fremd erscheint, hat mit dem Orient zu tun. Gründe können auch der Zeitverzug und der eigene Erfahrungsraum sein. Dieses Buch enthält keine Landeskunde. Es ist persönlich zugeschnitten, beruht auf Paul Widmers diplomatischer Tätigkeit in Kroatien (1999-2003) und den zahlreichen Reisen durch die Länder des Balkans. Ausgehend von einzelnen Ereignissen, Begegnungen und Beobachtungen stellt er diese in einen grösseren Zusammenhang und zeigt, wie Kroatien mit sich ringt, um im Jahr 2007 EU-Mitglied zu werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.01.2005
Aufschlussreich findet der "C. Sr." zeichnende Rezensent dieses Buch des Schweizer Diplomaten Paul Widmer über "Kroatien im Umbruch". Widmer, 1999 bis 2003 Botschafter in Zagreb, biete darin Betrachtungen zu unterschiedlichen Themen wie Rückkehr von Flüchtlingen, kroatische Außenpolitik, Nationalismus, Verhältnis zwischen Serben und Kroaten, Balkan allgemein oder Sprachpolitik. Ausgangspunkt der Erörterungen bilden nach Auskunft des Rezensenten eigene Erfahrungen, Ereignisse und Begegnungen des Autors. So erfahre der Leser einiges über die Arbeit eines Schweizer Botschafters. Interessant scheinen dem Rezensenten auch Widmers Beobachtungen und Einsichten über die Problematik der Rückkehr von Flüchtlingen, den Wiederaufbau in der Region von Knin und im Gebiet des westbosnischen Städtchens Glamoc. Zum Bedauern des Rezensenten finden sich in dem Buch auch einige Ungereimtheiten und Fehler. So würden etwa mehrmals die Begriffe "bosnjakisch" und "bosnisch" verwechselt, die Sprache der Bosnjaken (Muslime) wird etwa als "bosnjakisch" statt als "bosnisch" bezeichnet, was der Rezensent für umso störender hält, "als sich der Autor in einem seiner Kapitel auch mit der Problematik der serbokroatischen und der bosnischen Sprache beschäftigt."
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